Bei Maybrit Illner hat der Wahlkampf begonnen. CDU-Mann Altmaier schießt gegen den Grünen Habeck und am Ende reden schließlich alle Gäste durcheinander. Dabei sollte es eigentlich um das lebenswichtige Thema Klimaschutz gehen.
„Ich muss jetzt den Finger heben“, mahnt Maybrit Illner und lächelt irgendwie zwischen Amüsement und Gereiztheit. Ihre Talkgäste haben sich mittlerweile mächtig in die Haare bekommen. Die letzten Minuten der Sendung gehen in tumultartigem Verbalgepolter unter. Alle reden zeitgleich.
Unternehmer Georg Kofler sagt: „Die Behörden bekommen doch nichts auf die Kette!“ „Sie reden doch immer ins Blaue hinein, was nicht stimmt“, kontert Politökonomin Maja Göpel. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier stänkert derweil gegen den Grünen-Parteivorsitzenden Robert Habeck. „Sie können noch so lange reden, aber sie haben das Gesetz nicht gemacht und nicht verstanden“, mosert er. „Wir sind dabei das umzusetzen, was sie wollen. Und jetzt tun sie so, als würde es das zum Nulltarif geben.“ Habeck wiederum versucht laut zu erklären, dass das alles gar nicht stimmt.
Habeck bei Illner: „Haben einen Höllenjob zu machen“
Bei Maybrit Illner soll es an diesem Abend um Klimaschutz gehen – und eben auch darauf wie die Klimaziele am schnellsten zu erreichen sind und was das kostet. Aber an diesem Abend hat offenbar der Bundestagswahlkampf begonnen. Die Diskussion ist unnötig hitzig. Das Diskussionsklima ist ruiniert. Und sonst?
„Wir haben einen Höllenjob zu machen. Die Ziele zu erreichen ist eine große Herausforderung“, mahnt der Grüne Habeck. Wohlstand müsse neu definiert werden. Wichtig sei, Klimapolitik nicht nur über den CO2-Preis zu machen, weil man so soziale Ungerechtigkeiten schaffe. Für ärmere Familie könne dies existenzgefährdend werden, obwohl diese weniger CO2 produzierten als reiche Familien. Habecks Fazit: Lenkungspolitik schafft mehr Gerechtigkeit.
Klimaschutz per Marktwirtschaft
„Ich will die Beteiligung der Grünen an der Regierung verhindern“, sagt Investor Kofler. Er habe das Wahl-Programm der Grünen einer „Sorgfältigkeitsprüfung“ unterzogen. Das Ergebnis: „Hinter der Klimaschutzrhetorik steckt die Folterwerkstatt der sozialen Planwirtschaft.“ Er sei zwar sehr aufgeschlossen für neue Ideen, aber das Programm sei voller Verbote. „Wenn einem gar nichts mehr einfällt, dann verbietet man etwas.“
Dabei sei die Botschaft zum nachhaltigen Wirtschaften längst bei den Unternehmern angekommen. Kunden, Mitarbeiter, Aktionäre – alle wollten Klimaschutz. Kofler appelliert: „Lassen wir die Marktwirtschaft für unsere Ziele arbeiten.“
Mit Freude am Neuen zum Klimaschutz?
Nachhaltigkeitsforscherin Göpel zappelt immer aufgeregter auf ihrem Stuhl. Koflers Ausführungen treiben ihr regelmäßig die Röte auf die Wangen. „Nennen Sie mir eine Studie, die das belegt! Nur 0,15 Prozent der Unternehmen sind wirklich nachhaltig.“ Deshalb müsse die Politik schlaue Standards schaffen, um das Einsparen von Ressourcen zu beschleunigen. Die Politik müsse die Rahmenbedingungen herstellen, damit die Klimaziele erreicht werden können.
Investor Kofler vertritt hingegen einen fast schon romantischen Ansatz: „Wir brauchen Investitionssprünge und die entstehen durch leidenschaftliche Unternehmer und der Freude am Neuen.“ Kofler hatte der FDP zuletzt 750.000 Euro gespendet, weil er sein Verständnis von Marktwirtschaft am ehesten von den Liberalen vertreten sieht.
Altmaier attackiert Habeck
CDU-Mann Altmaier ist anzumerken, dass er sich den Kontrahenten Habeck an diesem Abend vorknöpfen will. Die Grünen sind nun mal der härteste politische Gegner. Klima hin oder her. Ob ihm ein grüner Verkehrsminister vielleicht sogar lieber sei als CSU-Mann Andreas Scheuer, will Illner von Altmaier wissen. Der nutzt die Gelegenheit zum Angriff auf die Grünen. „Bislang hatten die Grünen ihre Hochzeit immer vor den Wahlen und danach guckten sie immer etwas bedröppelt. Das muss nicht immer so sein, aber bislang war es die Regel.“ Bei Klimaschutz komme es auf die Ehrlichkeit an, erklärt Altmaier. „Der entscheidende Punkt ist die Unehrlichkeit der Grünen!“




