Die Retterin vom WDR

Katrin Vernau zur neuen RBB-Chefin gewählt

07.09.2022
Lesedauer: 5 Minuten
Katrin Vernau soll den taumelnden RBB wieder auf Kurs bringen Foto: picture alliance / dpa

Erst Dienstagabend stellte sie sich den Rundfunkräten vor – so tickt die neue Chefin

Berlin/Potsdam – Der RBB ist nicht mehr führungslos! Vier Wochen nach dem Rauswurf von Skandal-Intendantin Patricia Schlesinger (61) hat der Rundfunkrat eine neue Frau an die Spitze des Senders gewählt.

Die Wahl im Babelsberger RBB-Fernsehhaus begann mit einem Reinfall: Nur 12 der 20 Rundfunkräte stimmten für die schwäbische Managerin. 14 wären nötig gewesen. Erst nach 30 Minuten riskierte Vernau einen zweiten Wahlgang – und gewann mit 16 Ja- zu 3 Neinstimmen (eine Enthaltung).

In der Zwischenzeit war ihren Gegnern eingeschärft worden: Träfen sie jetzt keine Wahl, würde der Skandalsender monatelang kopflos bleiben. Dann wäre ein Ausschreibungs-Verfahren nötig geworden. Das überzeugte auch manche, die die fehlende Auswahl als „undemokratisch“ rügten. Kandidaten der Personalvertreter wurden abgelehnt: „keine Verwaltungserfahrung“.

Vernau weiß, wie man spart

Nun ist Vernau Übergangs-Chefin, gewählt für ein Jahr. Aber: „Wenn der Rundfunkrat will, kann ich mir auch vorstellen weiterzumachen.“

Rotes Haar, schwäbische Mundart: Katrin Vernau  (49) wurde am Mittwoch zur Übergangs-Intendantin gewählt. Beim WDR kassierte sie 250 000 Euro pro Jahr, ihr neues Gehalt steht noch nicht fest
Rotes Haar, schwäbische Mundart: Katrin Vernau (49) wurde am Mittwoch zur Übergangs-Intendantin gewählt. Beim WDR kassierte sie 250 000 Euro pro Jahr, ihr neues Gehalt steht noch nicht fest
Foto: Thomas Spikermann

Als echte Intendantin für fünf Jahre. Bis dahin muss sie den härtesten Job im deutschen Rundfunk erledigen:

► Den Prass- und Kungel-Skandal schnell aufklären! Vernau: „Um die Glaubwürdigkeit des RBB wiederherzustellen.“

► Die Geschäftsleitung auswechseln! „Wir müssen ein Team formieren, das die Krise bewältigen kann.“

► Rundfunk- und Aufsichtsrat neu aufstellen. „Um die Wirksamkeit der Aufsichtsgremien wiederherzustellen.“

► Kassensturz! Vernau: „Wir müssen gucken, wo der Sender finanziell steht.“

Das beleuchtete Logo des Senders Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) ist an der Fassade am Sitz des Senders an der Masurenallee angebracht
Das beleuchtete Logo des Senders Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) ist an der Fassade am Sitz des Senders an der Masurenallee angebracht
Foto: Carsten Koall/dpa

Die Spezialität der Ex-Unternehmensberaterin. Beim WDR hat Vernau 20 Mio. Euro pro Jahr gespart, 500 Stellen gekürzt. Den geplanten RBB-„Digitalpalast“ (185 Mio. Kosten) will sie nun überprüfen.

RBB-Mitarbeiter demonstrierten am Mittwoch in Potsdam gegen die Wahl – weil es nur eine Kandidatin gab
RBB-Mitarbeiter demonstrierten am Mittwoch in Potsdam gegen die Wahl – weil es nur eine Kandidatin gab
Foto: Thomas Spikermann

Scheitert Vernau, fällt sie weich: Ihr Boss Buhrow hat sie für ein Jahr beurlaubt. „Ein Signal des WDR, um deutlich zu machen, er trägt zur Lösung der Krise bei“, sagte Vernau den Rundfunkräten am Vorabend in einer Geheim-Konferenz, „diese Krise beschädigt das ganze System“ des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

Die Schwäbin soll es retten.

Doch wie tickt und was will die neue RBB-Chefin?

Vernau präsentiert sich vor dem Rundfunkrat als erfahrene Top-Managerin „mit 16 Jahren Erfahrung in der obersten Führungsebene. Ich habe immer die kaufmännische Leitung gemacht.“ Die Herrin der Zahlen, eine Chef-Buchhalterin.

„In Ulm habe ich die Strategie- und Strukturentwicklung erstellt“, zählt sie auf, „in Hamburg ein SAP-Projekt, als die Uni nicht mehr in der Lage war, finanziell Rechenschaft abzulegen.“ In Köln hat sie „500 Stellen in der WDR-Verwaltung abgebaut.“

Die Nachfolge von Patricia Schlesinger wird gesucht
Die Nachfolge von Patricia Schlesinger wird gesucht
Foto: Paul Zinken/dpa

Sparen, streichen, umstrukturieren. Vernau spricht von Stakeholder- und Veränderungsmanagement, von ihrer „Strategieerfahrung mit ausgeprägten analytischen Fähigkeiten“. Das hat sie als Unternehmensberaterin gelernt.

Mit den Angestellten und ihren Gewerkschaften kann Vernau nicht so gut. Verdi-Rundfunkrat Bernd Lammel: „Ich habe zu Ihrer Kandidatur keine Glückwunsch-Telegramme von den Kollegen aus Düsseldorf bekommen.“ Vernau gesteht, dass sie die WDR-Tarifverhandlungen scheitern ließ. Wegen 250 Euro Homeoffice-Zuschuss: „Das können wir einmal zahlen, aber nicht jeden Monat!“

Bonus-Zahlungen für die Chefs findet Vernau dagegen „nicht schlimm. Aber, dass sie verschwiegen wurden.“ Dann gesteht sie: „Ich war verantwortlich für das Management des Filmhauses in der Kölner Innenstadt.“ Die Kosten waren von 80 Mio. Euro auf eine Viertelmilliarde explodiert. Vernau kleinlaut: „Das hätte man günstiger machen können. Die BILD wird immer wieder schreiben, dass wir da ein Protz-Projekt haben.“

Den von Schlesinger geplante RBB-Protzbau, das „Digitale Medienhaus“, will Vernau „auf den Prüfstand stellen“. Die Senderchefs ebenfalls. Transparenz habe es „immer nur scheibchenweise“ gegeben. Von „einer Geschäftsleitung, die nicht ernsthaft an Aufklärung interessiert ist“. Vernau: „Ich habe das mit Wut, Enttäuschung und Frustration mitbekommen. Ich dachte: Hört das denn nie auf?“ Nun will sie schauen, „ob da die richtigen Leute am richtigen Platz sind“.

Nach anderthalb Stunden hat Vernau die meisten Rundfunkräte offenbar überzeugt. Sogar die beiden RBB-Personalvertreterinnen. Denn die Neue will feste und freie Mitarbeiter in den Personalrat aufnehmen.

Andere Ratsmitglieder blieben skeptisch bis ablehnend. „Jetzt reitet der WDR hier ein“, sagte der Brandenburger CDU-Rundfunkrat Ingo Senftleben (48), „um unseren ostdeutschen RBB wieder auf Linie zu bringen.“

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