Die Ippen-Mediengruppe wird die Recherchen über den ehemaligen Chef der „Bild“-Zeitung unter Verschluss halten. Für einige Quellen habe sich die Situation verändert.
Die Ippen-Mediengruppe wird ihre Recherchen zum früheren Bild-Chefredakteur Julian Reichelt nicht veröffentlichen. „Im Zuge der Ereignisse der vergangenen Woche hat sich die Situation für einige Quellen unserer Recherche verändert. Es ist daher nicht mehr möglich, die Recherche-Ergebnisse wie ursprünglich geplant zu veröffentlichen“, teilte die Mediengruppe mit.
Die Journalistin Juliane Löffler werde weiterhin zu dem Thema Machtmissbrauch in der Medienbranche recherchieren, hieß es weiter. Löffler gehört dem Investigativteam an, das monatelang zu Reichelt recherchiert hatte.
Gegen den 41-jährigen Reichelt hatte es bereits früher Vorwürfe gegeben, die der Medienkonzern Axel Springer in einem internen Verfahren geprüft hatte. Damals ging es um Vorwürfe des Machtmissbrauchs im Zusammenhang mit einvernehmlichen Beziehungen zu Mitarbeiterinnen sowie Drogenkonsum am Arbeitsplatz. Zunächst behielt Reichelt seinen Job. Nach den Recherchen von Ippen und der New York Times hatte Springer jedoch vor einer Woche mitgeteilt, Reichelt sei von seinen Aufgaben entbunden worden.
Die Ergebnisse der Recherche sind bis heute nicht vollständig veröffentlicht: Am Sonntag erschien zwar der Artikel der New York Times. Das Medienhaus Ippen entschied sich auf Einwirken des Verlegers Dirk Ippen jedoch gegen die Publikation. Als Begründung wurde angegeben, man müsse genau darauf achten, dass nicht der Eindruck entstehe, man wolle einem Wettbewerber wirtschaftlich schaden.
Die Entscheidung löste intern und extern Kritik aus, das Recherche-Team schrieb einen Brief an Geschäftsführung und Verleger. Ippen sagte zu, eine Veröffentlichung der Recherchen oder zumindest von Aspekten daraufhin zu prüfen. Teile der Recherche erschienen kurz danach in einem Bericht des Spiegel.
Ippen.Media-Gesamtchefredakteur Markus Knall hatte sich bei den betroffenen Frauen entschuldigt. Die Redaktion habe ihnen zugesagt, über die Fälle zu berichten und dabei die Anonymität zu garantieren. „Dieses Versprechen konnten wir nicht einlösen. Das bedauere ich zutiefst.“




