Dirk Ippen

Ippen prüft Veröffentlichung weiterer Recherchen zu Julian Reichelt

19.10.2021
Lesedauer: 2 Minuten
Dirk Ippen, Zeitungsverleger, in seinem Büro © Sven Hoppe/​dpa

Die Redaktion der Ippen-Mediengruppe prüft nun doch eine mögliche Veröffentlichung von Recherchen des eigenen Investigativteams zum bisherigen Bild-Chefredakteur Julian Reichelt. Ippen.Media-Gesamt-Chefredakteur Markus Knall sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Wir haben nach einer intensiven Diskussion im Hause den Punkt erreicht, dass wir als Redaktion in die Veröffentlichung gehen könnten. Wir prüfen aktuell, welche Aspekte der Geschichte noch veröffentlichbar sind und wie die Quellenlage ist. Das heißt: Ob, wann und in welchem Umfang die Geschichte rausgeht, entscheiden wir rein redaktionell.“

Ein Artikel der New York Times hatte die deutschen Medienhäuser Ippen und Axel Springer Anfang der Woche international in die Schlagzeilen gebracht. Ein Team von Investigativreportern der Ippen-Mediengruppe hatte Recherchen über das Verhältnis von Bild-Chefredakteur Julian Reichelt zu Mitarbeiterinnen, Machtmissbrauch im Unternehmen und weitere Missstände beim Axel-Springer-Verlag angestellt – allerdings untersagte Verleger Dirk Ippen die eigentlich für Sonntag geplante Veröffentlichung der Recherchen. Der Artikel sei auf persönlichen Widerstand des Verlagschefs hin gestoppt worden, schrieben die Autorinnen und Autoren daraufhin in einem Protestbrief an die Verlagsleitung, der in den sozialen Medien die Runde machte. Die Ippen-Mediengruppe hatte daraufhin zunächst mitgeteilt, man müsse als Mediengruppe, die im direkten Wettbewerb mit Bild stehe, sehr genau darauf achten, dass nicht der Eindruck entstehe, man wolle einem Wettbewerber wirtschaftlich schaden.

Weiter hatte es geheißen: „Daher ist die Entscheidung gefallen, jeden Eindruck zu vermeiden, wir könnten Teil eines Versuchs sein, einen solchen wirtschaftlichen Schaden anzurichten. Damit war das Thema einer Erstveröffentlichung dieser Recherchen vom Tisch.“ Die Recherchen der Ippen-Reporter wurden am Montagabend in Teilen im Spiegel veröffentlicht. Ebenfalls am Montagabend stellt der Springer-Konzern Reichelt mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben frei.

Ippen.Media-Gesamt-Chefredakteur Markus Knall sagte über die Co-Veröffentlichung mit dem Hamburger Nachrichtenmagazin: „Im Spiegel befindet sich nicht alles, was wir zum Stand vergangener Woche an Material hatten.“ Die Recherche sei sehr komplex und über Monate hinweg aufgebaut worden. Sie hänge an vielen verschiedenen Quellen. Der Fokus der Recherchen liege auf Reichelt, sagte Knall.

Die Frankfurter Rundschau, selbst eine Marke der Ippen-Gruppe, veröffentlichte derweil ein Interview mit den Investigativreportern, deren Recherchen bei Ippen nicht hatten erscheinen dürfen. „Ich musste am Freitag Quellen anrufen und ihnen sagen, dass die Veröffentlichung abgesagt ist. Das hat natürlich bei den Quellen massiv zu Verunsicherung und Bestürzung geführt. Manche waren extrem emotional“, berichtete eine Reporterin, die monatelang in der Causa Julian Reichelt recherchiert hatte. „Die haben sich – nicht von mir persönlich, aber von dem Verlag – im Stich gelassen gefühlt und natürlich hat es dazu geführt, dass ich aktuell nicht mehr von allen Quellen den Rückhalt habe, in diesem Verlag zu veröffentlichen“, sagte sie.

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