Das geplante Gesetz zur geschlechtlichen Selbstbestimmung ist ein fataler Irrweg. Junge Frauen werden nicht geheilt, indem sie Männer werden. Ein Debattenbeitrag.
Es muss im Spätherbst 1975 gewesen sein. Damals begegnete ich zum ersten Mal einem transsexuellen Menschen. Er fühlte sich als Frau, steckte jedoch in einem Männerkörper. Sein Leidensdruck war groß. Er war entschlossen, es durchzuziehen. Zwei, drei Jahre später ließ er die damals in Deutschland noch hochumstrittene operative Geschlechtsumwandlung vornehmen, in Casablanca. Seither engagierte sie sich als Anwältin für die Rechte sexueller Minderheiten.
Mich beschäftigte diese Begegnung lange. Ich hatte gerade das Buch Der kleine Unterschied und seine großen Folgen veröffentlicht, dessen Kernthese lautet: Der Mensch ist frei geboren, und die „männliche“ beziehungsweise „weibliche“ Geschlechterrolle ist nicht angeboren, sondern anerzogen. Sie ist konstruiert, wie man heute sagen würde. Dasselbe gilt für die Hetero- beziehungsweise Homosexualität des sexuell „polymorphen“ (Freud) Menschen: Unsere Sexualität ist ursprünglich nicht objektfixiert und bleibt lebenslang variabel.
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