Ob Böhmermann oder Anne Will: Jedes Jahr machen Flaggschiffe der Öffentlich-Rechtlichen ausgiebig Urlaub, die Rundfunkgebühren fließen weiter. Hier erklären sich ARD und ZDF.
Die Sommerpause der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender erregt seit Jahren die Gemüter. Die Polit-Talkshows pausieren, Leerstellen im Programm werden mit Krimi-Wiederholungen gefüllt. Und die Rundfunkgebühren? Sie werden trotzdem weiter abgebucht.
Das populäre ZDF-Satireformat „Heute-Show“ mit Oliver Welke geht 2023 sogar eine Woche früher als noch im vergangenen Jahr in die Sommerpause. Mit ganzen 14 Wochen gönnt sich die Sendung die längste Auszeit unter den Politikformaten.
Am 2. Juni wurde die letzte Folge ausgestrahlt, der reguläre Sendestart nach der Sommerpause soll der 8. September sein. In der Zwischenzeit werden Zuschauer mit drei Folgen des „Heute-Show-Spezials“ beglückt. Das „ZDF Magazin Royale“ mit Jan Böhmermann startete seine Sommerpause diesmal fast zwei Wochen später als 2022 und verabschiedete sich am 9. Juni. Der Sendestart wurde bisher noch nicht angekündigt.
Zudem verabschiedeten sich auch Talkshow-Moderatoren wie Sandra Maischberger, Anne Will, Louis Klamroth und Maybrit Illner – im Schnitt für neun Wochen. Nur Markus Lanz geht für nicht mal fünf Wochen in Urlaub.
Im Sommer liefern die Öffentlich-Rechtlichen reichlich Sendestoff aus der Konserve: Das Alternativprogramm wird mit dem ARD-Sommerkino, Dokumentationen oder Miniserien gefüllt. Selbst für die Telenovelas „Sturm der Liebe“ und „Rote Rosen“ gab es eine Sendepause. Die Rundfunkanstalten betonen immer wieder: Es müsse gespart werden. Wegen der heißen Temperaturen säßen viel weniger Menschen vor dem Fernseher, die Zuschauerzahlen sänken. Auch größere Politikereignisse blieben aus. Das Gegenargument der Kritiker: Die Rundfunkgebühren müssen weiterhin bezahlt werden.
Sender legen feste Stückzahl an Produktionen fest
Der durchschnittliche Arbeitnehmer hat 29 Tage Urlaub im Jahr. TV-Produktionsfirmen machen mitunter drei Monate Pause. Grund für das Sommerloch sind jedoch nicht allein die niedrigen Einschaltquoten. Auf Anfrage der Berliner Zeitung heißt es vom ZDF, dass die Auftragsproduktionen des Senders für eine festgelegte Stückzahl beauftragt und entsprechend der vorgesehenen Sendetermine von den Produktionsunternehmen hergestellt würden. Die Zahlung ist also vertraglich an eine bestimmte Anzahl an Folgen gebunden.
Gleiches gilt auch für die ARD. Die Sendungen würden sich zum Beispiel an Feiertage und TV-Großveranstaltungen richten und sich somit sinnvoll im Jahr verteilen. Dennoch erscheint die Auszeit der Öffentlich-Rechtlichen beachtlich lang. Denn eine Sommerpause für Beitragszahler gibt es nicht. Und eine faire Alternative, die nicht nur aus Reservematerial besteht, fehlt weiterhin.
Wo fließen die Rundfunkgebühren hin?
ARD und ZDF sind nicht von privaten Werbeeinnahmen abhängig. Ihre Einnahmen erzielen sie größtenteils aus den verpflichtenden Rundfunkgeldern. Im vergangenen Jahr wurden damit 8,57 Milliarden Euro eingenommen. Pro Haushalt werden unabhängig von der Anzahl der Empfangsgeräte monatlich 18,36 Euro abgebucht. Die letzte Erhöhung des Rundfunkbeitrages erfolgte im August 2021. Eine weitere ist für 2025 geplant, da die aktuelle Beitragsperiode Ende nächsten Jahres ausläuft.
Im April haben die Sender ARD, ZDF und Deutschlandradio ihren Finanzbedarf bei der unabhängigen Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) angemeldet. Eine genaue Summe wurde nicht genannt. Die Kommission wird in den nächsten Monaten den Bedarf prüfen, diesen gegebenenfalls anpassen und eine Empfehlung voraussichtlich Anfang 2024 abgeben. Das letzte Wort haben aber dennoch die Bundesländer.
Laut einem Bericht von Business Insider, der sich auf ARD-Akten bezieht, könnten die Gebühren um knapp 33 Prozent, also auf 25,19 Euro steigen. Eine offizielle Stellungnahme seitens der Rundfunkanstalten gab es aber bisher nicht.
Wofür wird das zusätzliche Geld gebraucht? Der ARD-Vorsitzende Kai Gniffke äußerte sich im März auf einer Fachtagung der Evangelischen Akademie Tutzing zu den künftigen Plänen der Öffentlich-Rechtlichen: „Die ARD will in den kommenden Jahren mehrere Hundert Millionen Euro in die Entwicklung von Technologie investieren.“ Zudem soll ein gemeinsames Streaming-Netzwerk mit dem ZDF ausgebaut werden, um mit den Streaming-Marktführern Netflix und Amazon Prime mithalten zu können.



