Oslo

Friedensnobelpreis für Journalisten Maria Ressa und Dmitrij Muratow

08.10.2021
Lesedauer: 6 Minuten
Oslo: Friedensnobelpreis geht an zwei Journalisten Zum Video Artikel (Video: dpa )

Der Preis gilt als die renommierteste politische Auszeichnung der Welt und geht an eine Philippinerin und einen Russen für ihren Einsatz für die Pressefreiheit.

Die Journalistin Maria Ressa und der Journalist Dmitrij Muratow gewinnen den Friedensnobelpreis 2021. Das teilte das norwegische Nobelkomitee in Oslo mit. Sie erhalten die Auszeichnungen für ihre Bemühungen, die Meinungsfreiheit auf den Philippinen und in Russland zu verteidigen. „Zugleich stehen sie für alle Journalisten, die sich für dieses Ideal einsetzen in einer Welt, in der Demokratie und Pressefreiheit zunehmend gefährdet sind“, sagte die Vorsitzende des Komitees Berit Reiss-Andersen.

Als Journalistin und Leiterin von Rappler, einem digitalen Medium für investigativen Journalismus, nutze Ressa die Pressefreiheit, um „Machtmissbrauch, Gewaltanwendung und wachsenden Autoritarismus“ auf den Philippinen aufzudecken. Rappler fokussiere seine Berichterstattung auf die umstrittene, tödliche Anti-Drogen-Kampagne von Präsident Rodrigo Duterte, deren Opferzahl so hoch sei, dass sie einem Krieg gegen die eigene Bevölkerung gleichkomme. Zugleich dokumentierten Ressa und Rappler, wie die sozialen Netzwerke für die Verbreitung von Falschinformationen, zur Verunglimpfung von Gegnern und Manipulierung des öffentlichen Diskurses genutzt würden.

In einer ersten Reaktion sagte Ressa, Journalismus sei nie so wichtig gewesen wie heute. „Der Nobelpreis wird uns Kraft geben den Kampf weiterzuführen.“ Ressa ist als Neunjährige mit ihren Eltern in die USA gezogen. Von 1988 bis 2005 leitete sie CNN-Büros, erst in Manila (Philippinen), dann in Jakarta (Indonesien). Sie ist die 18. Frau, die den Friedensnobelpreis gewonnen hat.

Dmitrij Muratow gehörte 1993 zu den Gründern der Zeitung Nowaja Gaseta, deren Chefredakteur er von 1995 bis 2017 war. Die Nowaja Gaseta sei eine der wichtigsten unabhängigen Zeitungen in Russland, erklärte die Komitee-Vorsitzende. Seit der Gründung seien sechs dort angestellte Journalistinnen und Journalisten getötet worden, darunter die 2006 ermordete Anna Politkowskaja. „Trotz der Drohungen und Gefahren hat Muratow immer an der Unabhängigkeit seiner Zeitung festgehalten.“ Sein faktenbasierter Journalismus sei eine wichtige Quelle für Informationen über die russische Gesellschaft. So veröffentlich der 59-Jährige regelmäßig Artikel zu Korruption, Polizeigewalt, Wahlbetrug oder den Einsatz russischer Soldaten in Russland sowie im Ausland.

Die Nobelpreise sind mit zehn Millionen schwedischen Kronen (etwa 980 000 Euro) pro Kategorie dotiert. Der Friedensnobelpreis gilt als die renommierteste politische Auszeichnung der Welt. 329 Kandidaten – 234 Persönlichkeiten und 95 Organisationen – waren diesmal für ihn nominiert worden. Das ist die drittgrößte Nominiertenzahl jemals.

Als aussichtsreiche Kandidaten galten vor der Bekanntgabe die führende Klimaaktivistin Greta Thunberg und die Bewegung Fridays for Future, aber auch die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen. Auch die belarussische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja, der russische Kremlkritiker Alexej Nawalny und Aktivisten aus Hongkong wurden als mögliche Preisträger genannt.

Der Friedensnobelpreis wird als einziger der Preise nicht in Stockholm, sondern in Oslo verkündet. Verliehen werden die Auszeichnungen traditionsgemäß am 10. Dezember, dem Todestag von Preisstifter und Dynamit-Erfinder Alfred Nobel (1833-1896). Willy Brandt als letzter deutscher Preisträger war 1971 für seine Ostpolitik ausgezeichnet worden, die zur Entspannung im Kalten Krieg beigetragen hatte.

Das sind die Friedensnobelpreisträger der vergangenen Jahre:

2020: Welternährungsprogramm der UN

Die Organisation wird für ihre Bemühungen im Kampf gegen den Hunger und zur Verbesserung der Friedensbedingungen in Konfliktgebieten ausgezeichnet.

2019: Äthiopiens Ministerpräsident Abiy Ahmed

Äthiopiens Ministerpräsident Abiy Ahmed erhält den Preis für seine Bemühungen für Frieden und internationale Zusammenarbeit und vor allem für seine Initiative zur Lösung des Grenzkonflikts mit dem Nachbarland Eritrea.

2018: Nadia Murad und Denis Mukwege

Denis Mukwege (Kongo) und Nadia Murad (Irak) werden für ihren Einsatz gegen sexuelle Gewalt als Waffe in Kriegen und bewaffneten Konflikten ausgezeichnet.

2017: Die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen

Die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (Ican) bekommt den Preis für ihre Bemühungen, die Aufmerksamkeit auf die katastrophalen Folgen des Gebrauchs von Atomwaffen zu richten, sowie ihren bahnbrechenden Einsatz für einen Vertrag zum Verbot von Atomwaffen.

2016: Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos

Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos wird für seine entschlossenen Bemühungen, den mehr als 50 Jahre währenden Bürgerkrieg in seinem Land zu beenden ausgezeichnet.

2015: Das Quartett für den nationalen Dialog in Tunesien

Das Quartett für den nationalen Dialog in Tunesien wird für seinen entscheidenden Beitrag zum Aufbau einer pluralistischen Demokratie in Tunesien nach der sogenannten Jasmin-Revolution 2011 geehrt.

2014: Malala Yousafzai und Kailash Satyarthi

Malala Yousafzai (Pakistan) und Kailash Satyarthi (Indien) erhalten die Auszeichnung für ihren Kampf gegen die Unterdrückung von Kindern und jungen Leuten sowie für das Recht aller Kinder auf Bildung.

2013: Die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen

Die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) erhält den Preis für ihren Einsatz gegen die weltweit geächteten Massenvernichtungswaffen.

2012: Die Europäische Union

Die Europäische Union wird für ihren mehr als sechs Jahrzehnte währenden Beitrag für Frieden, Demokratie und Menschenrechte in Europa ausgezeichnet.

2011: Ellen Johnson Sirleaf und Leymah Gbowee sowie Tawakkol Karman

Ellen Johnson Sirleaf und Leymah Gbowee (beide Liberia) sowie Tawakkol Karman (Jemen) werden für den gewaltfreien Kampf zur Stärkung der Rechte von Frauen geehrt.

2010: Liu Xiaobo

Liu Xiaobo (China) erhält die Auszeichnung wegen seines langen und gewaltfreien Einsatzes für die Menschenrechte in seiner Heimat.

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