Die Scheidung des Ehepaars Gates könnte erhebliche Folgen für die gemeinsame Stiftung haben. Falls die beiden zu dem Schluss kommen, nicht mehr zusammenarbeiten zu können, würde sie ausbezahlt werden.
Die Scheidung von Bill und Melinda Gates könnte zu tiefgreifenden Veränderungen ihrer bislang gemeinsam geführten Stiftung führen: Einer Mitteilung zufolge würde Melinda Gates ihre Position als Ko-Vorsitzende und Mitglied des Stiftungskuratoriums aufgeben, sollten sie oder Bill Gates nach zwei Jahren feststellen, dass sie nicht mehr zusammenarbeiten können. Das heißt, in diesem Fall würde die Stiftung von Bill Gates alleine kontrolliert. Melinda, die sich jetzt French Gates nennt, würde dann von Bill Gates aus seinem Privatvermögen Geld für eigene wohltätige Arbeit bekommen, also in gewisser Weise ausbezahlt. Ein Betrag wurde nicht genannt.
Bei der Ankündigung der Scheidung im Mai hatte die Stiftung noch den Eindruck erweckt, es werde sich wenig ändern. Die beiden Gründer behielten ihre Funktionen als Ko-Vorsitzende und Kuratoriumsmitglieder und gäben auch künftig zusammen die Strategie vor.
Das jetzt verkündete mögliche Ausstiegsszenario für Melinda Gates wird in der Mitteilung als Notfallplan dargestellt. Bill und Melinda Gates fühlten sich derzeit „vollständig verpflichtet“, ihre Arbeit in der Stiftung „konstruktiv“ fortzusetzen, heißt es. Mark Suzman, der Vorstandschef der Stiftung, sagte der F.A.Z. am Mittwoch, er sei optimistisch, es werde nicht dazu kommen. Er habe seit der Ankündigung der Scheidung regelmäßig mit Bill und Melinda Gates gemeinsam zu tun gehabt.
Kuratorium und Kapital wird aufgestockt
Die Stiftung kündigte am Mittwoch außerdem an, ihr Kuratorium solle um zusätzliche Mitglieder erweitert werden. Dieses Aufsichtsgremium bestand bislang aus Bill und Melinda Gates sowie dem Investor Warren Buffett, der allerdings vor wenigen Wochen seinen Rücktritt angekündigt hat. Schon vor Buffetts Abschied galt das Kuratorium als ungewöhnlich klein. Die zusätzlichen Mitglieder sollen Anfang nächsten Jahres publik gemacht werden.
Der Mitteilung zufolge soll die Stiftung außerdem zusätzliche 15 Milliarden Dollar von ihren beiden Namensgebern bekommen. Das Geld soll in das Stiftungsvermögen fließen, das derzeit bei rund 50 Milliarden Dollar liegt.
Melinda Gates verfolgt auch bislang schon Aktivitäten jenseits der Stiftung. Beispielsweise hat sie schon 2015 unabhängig von ihrem Mann die Beteiligungsgesellschaft Pivotal gegründet, die sich dem Ziel verschreibt, Frauen mehr Einfluss auf Feldern wie Wirtschaft und Politik zu verschaffen. Dafür hat sie eine Milliarde Dollar versprochen. Sie hat auch durchblicken lassen, es sei für sie nicht immer leicht gewesen, sich in der Stiftung neben ihrem Mann Gehör zu verschaffen, obwohl beide formell gleichberechtigte Ko-Vorsitzende sind.



