Axel Springer-Verlag

Döpfner will KI-Journalismus

03.03.2023
Lesedauer: 2 Minuten
Mathias Döpfner Foto: Imago

Springer-Chef Mathias Döpfner behauptet, Jour­na­lis­t*in­nen könnten durch eine KI ersetzt werden. Das sorgt international für Aufregung.

Hierzulande regen sich ja noch alle über die von Mathias Döpfner angekündigten Stellenstreichungen bei Welt und Bild auf. Währenddessen beschäftigt die internationale Medienwelt ein ganz anderer Aspekt aus dem fröhlichen Ankündigungskatalog des Springer-Chefs. „German publisher Axel Springer says journalists could be replaced by AI“, titelt beispielsweise der britische Guardian. Will Daniel schreibt auf fortune.com schon etwas weniger reißerisch, dass Döpfner gesagt habe: „A.I. is making some journalists obsolete“, und CNN formuliert hübsch maliziös: „The owner of Insider and Politico tells journalists: AI is coming for your jobs.“ Heißt es jetzt also nicht nur bei Gruner + RTL, sondern auch bei Springer „Rette sich, wer kann“?

Nun konnten argwöhnische Le­se­r*in­nen bei den Meinungsentgleisungen von Welt-Chef Ulf Poschardt immer schon mal den Eindruck haben, hier hätte ChatGPT zumindest nachgeholfen. Doch gerade Kommentare meint Döpfner ja ausdrücklich nicht. Vielmehr werden seiner Meinung nach Kommentare und investigative Recherchen das sein, was vom Journalismus auch in der digitalen Welt übrig bleibt. Und vor allem, was weiter von Menschen gemacht wird.

Wie da mit deutlich weniger Personal in den Redaktionen ein Schuh draus werden soll, müsste allerdings noch erklärt werden. Wobei die jüngsten medienpolitischen Skandale wie der beim RBB ja nicht mehr von Bild, sondern von Springers personell jetzt auch nicht so dolle besetztem Onlinemagazin Business Insider enthüllt wurden.

Mehr Raum für Investigativrecherchen

100 Millionen will Döpfner im deutschen Mediengeschäft einsparen. Das freut die Mit­in­ha­be­r*in­nen von KKR, schließlich gehören 35 Prozent des Konzerns dem Finanzinvestor aus den USA. Und auch Döpf­ners eigenes Aktienpaket dürfte durch die beabsichtigte Gewinnsteigerung noch mal hübsch an Wert zulegen. Investiert werden soll natürlich auch, wobei nun viele bei Springer rätseln, ob hier in erster Linie Mensch oder Maschine gemeint ist.

Mit einem hat Döpfner in jedem Fall recht. Die technische Produktion journalistischer Beiträge braucht keine Menschenhände mehr. Das ist allerdings weder eine ganz neue Erkenntnis noch eine schlechte Nachricht. Gerade im Printbereich zieht sich diese Entwicklung seit dem Abschied vom Bleisatz schon über Jahrzehnte hin.

„Doch es wird eine neue Berufsgruppe gebraucht, in die Döpfner die 100 Millionen investieren sollte“, meint die Mitbewohnerin. „Denn wer sonst soll die KI-Modelle trainieren und ihre vorgeschlagenen Texte bewerten und kontrollieren? Wer entscheidet, welche Themen gesetzt werden? Und wer lernt von wem? Alles große Fragen in Zeiten des digitalen Umbruchs. Und Mensch, was passiert eigentlich, wenn alle zukünftigen Journalisten Döpfners KI-Kopien sind?“

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