Kunstschau in Kassel

Documenta-Besucherin findet noch mehr Antisemitismus

27.07.2022
Lesedauer: 2 Minuten
Eine der Karikaturen aus dem Palästina-Heft Bild: WerteInitiative - jüdisch-deutsche Positionen e.V.

Eine Besucherin entdeckt noch mehr antisemitische Karikaturen in Kassel: Sie zeigen Zerrbilder von Soldaten mit Davidstern, dargestellt als Kindermörder. Die Documenta befindet: alles harmlos.

Bei der Documenta sind weitere antisemitische Bilder aufgetaucht. Im Fridericianum, dort, wo es ums „Archiv des Kampfs der Frauen in Algerien“ geht, fand eine Besucherin das Faksimile einer algerischen Broschüre aus dem Jahr 1988, „La Présence des femmes“, das Sonderheft zu Palästina (wo damals die erste Intifada begonnen hatte), wie die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus berichtet.

Die Bilder, angefertigt vom syrischen Künstler Burhan Karkoutly, zeigen roboterhaft grimmige Soldaten mit Davidsternen auf den Helmen, die offenbar unschuldige palästinensische Kinder bedrohen. Ein Bild zeigt eine Frau, die einen hakennasigen Soldaten, mit Davidstern auf dem Helm, in den Unterleib tritt.

Die Broschüre wurde, auf Bitten der Finderin, erst entfernt; eine Woche später lag sie aber wieder im Fridericianum. Henriette Sölter, die Pressechefin der Documenta, sagt, man habe die Bilder „strafrechtlich und ikonographisch“ untersucht. Und sie für nicht antisemitisch befunden.

Das historische Archivmaterial sei vor rund drei Wochen aus der Ausstellung genommen worden, um es eingehender zu betrachten, heißt es in einer Stellungnahme der Documenta. „Nach der Untersuchung“ gebe „es zwar eine klare Bezugnahme auf den israelisch-palästinensischen Konflikt, aber keine Bebilderung von Juden „als solchen“. Weiter heißt es: „Der Davidstern ist zwar ein eindeutig jüdisches Symbol, aber kennzeichnet hier als Bestandteil der Staatsflagge das israelische Militär.“ Das Werk sei als strafrechtlich nicht relevant eingestuft worden. Nach der Sichtung sei das Material wieder in die Ausstellung aufgenommen worden. Die Stadt Kassel, deren Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) Aufsichtsratsvorsitzender der Documenta ist, verwies auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur auf die Geschäftsführung der Schau.

Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Hessen (RIAS Hessen) ordnet die Darstellungen als eindeutig antisemitisch ein. Die Zeichnungen, sagte die Projektleiterin Susanne Urban, zeigten teils antisemitische Stereotype und das Land Palästina, versehen mit Einordnungen, die dem Staat Israel seine Legitimität absprächen.

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, sagte der „Bild“-Zeitung, das Versagen der Verantwortlichen setze sich fort. „Diese Hassbilder zeigen,dass auch die neue Documenta-Leitung immer noch nicht die notwendigen inhaltlichen und strukturellen Konsequenzen aus dem bisherigen Skandal gezogen hat.“ Klein fordert die komplette Sichtung und Überprüfung aller Ausstellungsstücke auf antisemitische Inhalte.

Quelle: F.A.Z.

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