Woke-Wahnsinn

Briten-Unis warnen Studenten vor Büchern!

18.01.2022
Lesedauer: 4 Minuten
Ein Student liest an der Universität Oxford in einem Buch Foto: Getty Images

Das klingt… seltsam.

Britische Universitäten warnen ihre Studenten vor Büchern! Selbst Literaturstudenten (!) bekommen „Triggerwarnungen“, ehe sie sich in Klassiker der Weltliteratur vertiefen.

So erhalten Werke wie Charlotte Brontës „Jane Eyre“ und Charles Dickens‘ „Große Erwartungen“ an der Universität Salford entsprechende Hinweise, wie die „FAZ“ berichtet.

Grund: Die Werke könnten die Studenten möglicherweise „verstören“ – wegen der Themen, die darin verhandelt werden.

▶︎ Entsprechend verfahren etwa die Universitäten Salford und Aberdeen (letztere warnt vor angeblich „emotional schwierigen“ Texten). Empfindsame Leser können sich auf einer Website informieren. Diese führt Warnhinweise auf, damit Leser sich „mit ihren Büchern sicherer fühlen“.

An der britischen Universität Salford warnt man Studenten vor dem Lesen literarischer Texte
An der britischen Universität Salford warnt man Studenten vor dem Lesen literarischer Texte Foto: BRITAIN

▶︎ Auch Shakespeares „Julius Cäsar“ (wegen der Darstellung von Mord und „sexistischen Einstellungen“) und Jane Austens „Stolz und Vorurteil“ (wegen „Klassismus“, also von Klassen-Unterschieden zwischen Arm und Reich, und Sexismus) könnten Literaturstudenten angeblich „verstören“.

Für Jane Austens „Verstand und Gefühl“ zum Beispiel wird hingewiesen auf „Betrug, Depression und für die damalige Zeit typischen Rassismus und Sexismus“.

Hat jetzt eine „Triggerwarnung“: Jane Austens „Pride and Prejudice“ („Stolz und Vorurteil“ auf Deutsch)
Hat jetzt eine „Triggerwarnung“: Jane Austens „Pride and Prejudice“ (d.t. „Stolz und Vorurteil“) Foto: Penguin

DAS sagt der Literatur-Experte

▶︎ Prof. Andrew James Johnston von der Freien Universität Berlin zu BILD: „Ich finde die Triggerwarnungen interessant, weil sie zeigen, dass wir uns mit diesen Texten neu auseinandersetzen müssen.“ Sie könnten Studenten mit schwierigen Erfahrungen durchaus helfen, sich vor unangenehmen Schocks zu schützen. „Denken Sie an Ovids ‚Metamorphosen‘, da gibt es mehrere Vergewaltigungen. Gerade in der antiken Literatur geht es mitunter um Inzest und sexuelle Gewalt und man kann leicht den falschen Eindruck bekommen, als sei das selbstverständlich.“

Aber: „Problematisch wird es dann, wenn wir uns die Texte nicht mehr genauer ansehen, und dann das verpassen, was in diesen Texten oft indirekt selbst schon an Kritik angelegt ist.“

Für Prof. Andrew James Johnston von der Freien Universität Berlin sind die „Triggerwarnungen“ selbst ein untersuchenswertes Phänomen
Für Prof. Andrew James Johnston von der Freien Universität Berlin sind die „Triggerwarnungen“ selbst ein untersuchenswertes Phänomen Foto: Erika Borbély Hansen

Gesprochene Warnungen in Seminaren

Auch an der Universität Cambridge werden im digitalen Bibliothekskatalog „Triggerwarnungen“ angezeigt, wenn Studenten Literatur suchen. Diese müssen die Hinweise erst bestätigen, zustimmen, dass sie damit einverstanden sind, dass sie eventuell „getriggert“ werden könnten, wenn Themen wie Untreue, Klassenunterschiede, Rassismus, Homophobie, Gewalt, Trauma, Krieg, Verlust, Behinderung in den Büchern vorkommen.

Eines der Colleges der Universität Cambridge. Dort müssen teils Studenten gar Kommilitonen davor warnen, dass Biertrinken zu Trunkenheit führen kann
Eines der Colleges der Universität Cambridge. Dort müssen Studenten ihre Kommilitonen sogar davor warnen, dass Biertrinken zu Trunkenheit führen kann Foto: Bloomberg via Getty Images

Damit nicht genug: Nach BILD-Informationen müssen sogar Studenten in Literatur-Seminaren solche Warnungen aussprechen, wenn sie bestimmte Bemerkungen über Texte machen.

Ein Absolvent zu BILD: „Wir behandelten ‚100 Jahre Einsamkeit‘ von Nobelpreisträger Gabriel García Márquez. In dem Buch geht es um eine große Familie. Ständig hieß es: ‚Triggerwarnung Inzest!‘“

Ein Bier trinken? Triggerwarnung Trunkenheit!

In einigen der „Colleges“ (dort wohnen Studenten auf dem Campus in altehrwürdigen Unterkünften) müssen die Studenten sogar in anderer Sache „Triggerwarnungen“ verwenden.

► Wer über eine universitätseigene E-Mail-Adresse etwa Kommilitonen privat auf ein Bier in sein Zimmer einlädt, ist dazu angehalten, sie bereits in der Einladung schriftlich darauf hinzuweisen, dass das Trinken eines Bieres zur Trunkenheit und zu „Kontrollverlust“ führen kann.

Ansonsten drohen Disziplinarmaßnahmen (etwa Rügen).

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