Haß und Hetze im Netz

Berliner Verkehrsbetriebe entschuldigen sich bei AfD

28.06.2023
Lesedauer: 3 Minuten
Mit einem ähnlichen Symbol erklärten die Berliner Verkehrsbetriebe AfD-Anhänger zu unerwünschten Fahrgästen. Symbolfoto: picture alliance/AP Photo | Michael Probst

Die landeseigene BVG vergleicht die AfD mit Dingen, von denen die Züge „sauber“ gehalten werden müßten. Später nehmen die Verkehrsbetriebe persönlichen Kontakt zur Berliner Parteivorsitzenden auf, wie die JF erfuhr.

BERLIN. Mit einem Post in den sozialen Medien haben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) AfD-Wähler, -Mitglieder und -Politiker zu unerwünschten Fahrgästen erklärt. Später bat eine Vertreterin des landeseigenen Unternehmens bei der Berliner AfD-Vorsitzenden Kristin Brinker um Entschuldigung.

Der Instagram-Post der BVG, der auch gestern Abend noch online stand. Screenshot: JF

Der Reihe nach: Bei Twitter und Instagram veröffentlichte die BVG ein Foto mit zwei Piktogrammen, die offenbar aus einer Bahn stammen. Dort sind zunächst ein durchgestrichener Burger mit Getränkeflasche zu sehen. Daneben ist das Kürzel AfD genauso mit einem roten Querbalken versehen. „Danke, daß du den Zug sauber hältst!“ steht darunter.

Verkehrsbetriebe machen sich Ausgrenzung zu eigen

Die BVG machte nicht klar, ob es sich dabei um ein offizielles Schild handelt. Erst wer bei Instagram die Quelle anklickte, erfuhr, daß „whitlamsberlintours“ das Bild veröffentlicht hatte. Der User erklärte auf Englisch, er habe den Sticker in einer Bahn entdeckt und wisse nicht, wie lange dieser dort schon hing. Offensichtlich handelt es sich bei dem Anti-AfD-Piktogramm also um eine professionell aussehende Fälschung.

Allerdings distanzierte sich die BVG nicht von dieser Ausgrenzung und der Aufforderung, den Zug von der AfD sauber zu halten. Sie machte sie sich vielmehr zu eigen, indem sie über das Bild schrieb „Bitte auch keine Pommes, Dürüm, Baklava, Spaghetti Bolognese, Eintopf…“

AfD nimmt Entschuldigung an

Doch dann folgte die Kehrtwende. Die Landes- und Fraktionsvorsitzende der AfD, Kristin Brinker, sagte der JUNGEN FREIHEIT, eine Mitarbeiterin der BVG-Unternehmenskommunikation habe ihr „von sich aus“ eine E-Mail geschrieben, während sie in einer Sitzung saß und von dem Vorfall noch gar nichts wußte. Darin habe es geheißen, die BVG habe den Tweet löschen lassen, weil parteipolitische Aussagen auf den Marketing-Kanälen nicht angebracht seien.

Brinker: „Sie bot mir auch ein persönliches Gespräch an, woraufhin ich sie anrief.“ Während des Telefonats habe die PR-Frau bei ihr im Namen des Unternehmens um Entschuldigung gebeten. „Ich habe die Entschuldigung angenommen, und damit ist die Sache für mich erledigt.“

Anders sieht das der gesundheitspolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Martin Sichert. Er hat die BVG wegen Volksverhetzung bei der Berliner Polizei angezeigt.

Den Tweet hatte die BVG zwar umgehend gelöscht. Das gleichlautende Instagram-Post stand dagegen auch gestern am späten Abend noch auf dem offiziellen Account der Verkehrsgesellschaft. Erst am Mittwochmorgen war er dann auch dort entfernt. (fh)

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