Moderator Hugo Egon Balder schimpft auf seinen Sender Sat.1. Er nennt die Chefs „beratungsresistent“. Es würden Formate produziert, bei denen man schon im Vorfeld wissen könne, dass sie „in die Hose gehen“ – und die ein „Schweinegeld“ kosten.
Moderator Hugo Egon Balder, 71, hat keine Lust mehr auf sein Format „Genial daneben“ beim Privatsender Sat.1. „Es bringt einfach nichts“, erklärt Balder im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).
Sat.1 habe sich in den vergangenen Jahren als „ziemlich beratungsresistent“ erwiesen. Als Moderator habe man dann nur zwei Möglichkeiten, sagt er: „Entweder man beißt in den sauren Apfel und macht es – oder man sagt: ohne mich. Und ich bin jetzt an dem Punkt angelangt, wo ich lieber sage: Das war’s.“
Laut Balder habe die oft wechselnde Geschäftsführung den Sender in den vergangenen Jahren „permanent in die Grütze gefahren“.
Balder: Früher hatte der Sender Mut
In den 2000er-Jahren, als der Medienmanager Matthias Alberti Unterhaltungschef und später Geschäftsführer war, sei das anders gewesen: „Der hatte Mut und hat immer wieder neue Formate ausprobiert. Da ging es mit dem Sender aufwärts. Sat.1 saß damals noch in Berlin, es herrschte eine Riesenstimmung.“
Heute sei davon nichts mehr übrig. Immer wieder säßen neue Personen in der Chefetage, immer wieder würden Formate produziert, bei denen man laut Balder im Vorfeld „zumindest das Gefühl“ haben könnte, dass sie „in die Hose gehen“.
Trotzdem würden sie ausgestrahlt und dann wegen schlechter Quoten wieder abgesetzt. „Das größte Problem ist, dass diese Sendungen auch noch ein Schweinegeld kosten“, so Balder.
Der Sender habe sich eine Show namens „Genial daneben – Das Quiz“ gewünscht, obwohl Balder vor dem Titel gewarnt hatte. Die Zuschauer hätten sich unter „Genial daneben“ etwas anderes vorgestellt. Dementsprechend seien die Quoten auch gleich in den Keller gegangen.
Früher habe man beim Fernsehen richtig Spaß gehabt. „Wenn ich heute sehe, dass Produktionsfirmen Sachen produzieren, einfach nur um Kohle zu verdienen, und sogar selber zugeben, dass es sich dabei um minderwertiges Fernsehen handelt, dann stimmt irgendwas nicht.“
Eine Zukunft bei einem anderen Sender sieht Balder offenbar nicht. „Ich bin jetzt 71. Ich habe keine Lust, in dem Alter noch Sachen zu moderieren, wo die Leute dann sagen: ‚Mein Gott, hoffentlich überlebt er die Sendung.‘“ Stattdessen wolle er sich künftig lieber aufs Theaterspielen konzentrieren. „Das kann ich auch noch mit 85, wenn ich das so will.“
Der Privatsender Sat.1 war in den vergangenen Wochen immer wieder in die Schlagzeilen geraten. Die Sendung „Promis unter Palmen“ wurde nach einem Mobbing-Eklat 2020 und einer homophoben Hasstirade eines Kandidaten im Frühjahr endgültig abgesetzt. In der Sendung „Plötzlich arm, plötzlich reich“ soll die Produktionsfirma nach Vorwürfen des Schlagersängers Ikke Hüftgold mit schwer traumatisierten Kindern gedreht haben – der Fall sorgte für ein tagelanges Medienecho.
Auch mit anderen Formaten hat der Sender wenig Glück. „Das große Promi-Flaschendrehen“, „Claudias House of Love“, „5 Gold Rings“ – sind nur drei der vielen abgesetzten Sendungen der vergangenen Monate.



