Johannes Boie

Wer mit Ditib kooperiert, stützt Judenhasser

31.05.2021
Lesedauer: 2 Minuten
WELT AM SONNTAG-Chefredakteur Johannes Boie wünscht sich mehr Taten und weniger Sonntagsreden - Quelle: Martin U.K. Lengemann

Der Westen wird von einer beispiellosen Welle antijüdischer Ausschreitungen überrollt. Die Kanzlerin spricht von „null Toleranz“. Wie ernst ist das gemeint, wenn ihr Nachfolger in spe Armin Laschet noch immer mit Antisemiten kooperiert?

In den vergangenen Wochen waren nicht nur in Deutschland die größten antisemitischen Ausschreitungen seit 1945 zu beobachten. Der ganze Westen wurde von einer Welle des Judenhasses erschüttert, oft nicht einmal mehr als „Israelkritik“ camoufliert. Von Los Angeles bis London, von Paris bis Wien kam es zu antisemitischen Demonstrationen bis hin zu Angriffen auf Menschen, die als Juden erkennbar waren. Die Täter waren in diesen Tagen fast immer migrantisch geprägt. Viele von ihnen kommen aus Familien, die aus Ländern in den Westen eingewandert sind, in denen Judenhass schon im Kindergarten vermittelt wird.

In Anbetracht dieser Dimension wäre es Zeit für Taten, weniger für weitere Sonntagsreden gewesen. Die Kanzlerin sprach von „null Toleranz“. Ob sie mal zum Telefon gegriffen und mit anderen westlichen Staatschefs über die bedauerliche Tatsache gesprochen hat, dass der bekannte Antisemitismus der Rechtsextremen sowie der viel zu oft ignorierte Antisemitismus der Linken und Linksextremen nun ganz massiv vom Judenhass vieler Migranten ergänzt wird? Dazu sagte die Regierung auf Anfrage: „Zu den Inhalten vertraulicher Gespräche äußern wir uns über die bekannten Pressemitteilungen hinaus nicht.“ Das legt nahe, dass entsprechende Gespräche nicht stattgefunden haben, denn sie müssten sicher nicht vertraulich sein.

Derweil schafft Merkels Nachfolger in spe Armin Laschet (CDU) just in diesen Tagen Tatsachen: Seine Landesregierung lässt die türkische Religionsbehörde Diyanet über ihre Tochterorganisation Ditib weiterhin Einfluss nehmen auf den Religionsunterricht für muslimische Kinder in NRW. Auf der Webseite von Diyanet kann jeder Mensch mit Internetanschluss in einem aktuellen Dokument vom 21. Mai nachlesen, dass Juden (das Wort wird nicht direkt genannt, aber es geht um den Israel-Palästina-Konflikt) „sich von Blut und Tränen ernähren“, „Rechte und das Gesetz nicht anerkennen“ und so weiter und so fort. Es sind die alten antisemitischen Geschichten, die man schon aus dem Mittelalter kennt. Wie ernst können die Worte der Kanzlerin gemeint sein?

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