Das dritte Triell war ein Geschenk an Scholz (SPD) und Baerbock (Grüne) – das stellten auch die Moderatorinnen sicher. Selbst mit seinem Kernthema Sicherheit konnte Laschet (CDU) nicht punkten. In der Sendung machte sich ein trauriges Menschenbild breit.162
Manche Dinge sind so schön, dass man sie gar nicht oft genug sehen kann. Das TV-Format Triell gehört nicht dazu. Nun ist die dritte und letzte dieser redundanten Veranstaltungen geschlagen, diesmal bei ProSieben. Und – wer hätte das gedacht – SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz steht nach anschließender Blitzumfrage wieder als der Sieger da.
Kein Wunder, war doch die Moderation ein reines Geschenk an Rot-Grün. Dagegen hätte der defensive und mäandernde Unionskandidat Armin Laschet (CDU) wohl nicht einmal dann ankommen können, wenn er es gewollt hätte. Wie gut hätte FDP-Chef Christian Lindner dieser Runde getan.
Bezeichnend für die in innenpolitischer Kleinkariertheit feststeckende Diskussion waren die ersten 30 Minuten dieses Triells, die sich am besten mit den Worten „Darf es noch ein bisschen mehr Staat sein?“ betiteln ließen. Reine Siegerthemen für SPD und Grüne.
Ein Laschet, zwei Robin Hoods
So konnte Scholz bei der Frage, wofür sich die Kandidaten einsetzen würden, als rundumversorgender Staatsmann groß auftrumpfen. Er wiederholte seine bekannte Rede von Respekt, vom Mindestlohn und dem stabilen Rentenniveau; Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock schloss sich der Mindestlohn-Forderung von zwölf Euro an und hielt ihre ebenso altbekannte Rede von der Notwendigkeit einer Kindergrundsicherung.
Laschets Ansatz, die Wirtschaft zu stärken und den Menschen eher durch Beschäftigung als durch üppige Sozialstaatsfantasien zu ihrem Glück zu verhelfen, verhallten. Seine Aussage, Hartz IV sei kein Beruf, saß zwar, verfing aber nicht.
Scholz und Baerbock, beide unterwegs als Robin Hood, dominierten in ihrem Umverteilungsdenken. Als bestünde Deutschland nur aus Sozialleistungsempfängern, die sich ein Leben ohne Vater Staats Subventionen gar nicht vorstellen können. Was für ein trauriges Menschenbild.
Auch beim Thema Klimaschutz und Corona folgten keine Überraschungen, Scholz band sich nur etwas enger an die Grünen, als er sagte: „Wenn wir das nicht machen, dann macht es keiner.“
Er sprach von der Bundesrepublik und übernahm damit Baerbocks moralischen Imperativ, die nächste Regierung müsse eine Klimaregierung werden. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war klar: Auch dieses Triell dreht sich im Kreis.
Selbst beim Thema Sicherheit schafft Laschet es nicht
Doch schließlich zauberten die Moderatorinnen mit dem Thema innere Sicherheit inhaltlich doch noch eine angenehme Abwechslung aus dem Hut.
Laschet war zuerst an der Reihe, und das wäre sein Moment gewesen – denn das Thema bespielt er sonst allein. Dennoch schaffte er es nicht, das mit der notwendigen Klarheit zu vermitteln.
Man kann es mit der Selbstverzwergung auch übertreiben. Dazu kommt, dass sich Scholz nur am Rande zur Razzia im Finanzministerium, wegen der er sich an diesem Montag dem Finanzausschuss des Bundestags stellen soll, äußern musste. Und das auch nur, weil Baerbock eine Frage zur Geldwäsche an ihn richtete.
Vier gegen einen ist unfair
Eines wurde durch diese Sendung jedenfalls erneut überdeutlich: SPD und Grüne wollen unbedingt miteinander regieren. Laschet steht im Abseits, was – bezogen auf diese Sendung – nicht zuletzt der Moderation und der Themenauswahl geschuldet war.
Vier gegen einen ist vieles, aber kein Fairplay und auch keine Abbildung der Realität. Dass Baerbock in dieser Runde mit von der Partie war, ist eigentlich – richtete man sich nach den Wahrscheinlichkeiten, die die Umfragen verraten – nicht (mehr) zu rechtfertigen.
Sowohl Scholz als auch Baerbock betonten, dass es für die Union nun an der Zeit sei, in die Opposition zu gehen – was im Umkehrschluss eine Ampelkoalition oder Rot-Grün-Rot bedeuten würde.
Und da FDP-Chef Lindner keinen Hehl daraus macht, dass er auch dann Jamaika bevorzugen würde, ginge Laschet nur als Zweiter aus dem Rennen ums Kanzleramt, wird Rot-Grün-Rot immer mehr zur realen Option.
Dass Baerbock ernsthaft Sätze wie „Grünes Leben heißt Freiheit“ von sich gibt (so geschehen in diesem dritten Triell), wäre dann Deutschlands geringstes Problem.



