Ging nicht Jesus immer zu den Randständigen der Gesellschaft? Zu den ansteckenden «Aussätzigen», die deswegen aus der Gemeinschaft verbannt wurden?
Leider bin ich nun kein Lepra-Kranker aus der Bibelgeschichte, sondern bloss ein ungeimpfter Corona-Seuchenherd, deswegen bin ich nicht mehr überall in der Kirche Jesu willkommen – wie etwa im altehrwürdigen Wormser Dom.
Statt Weihwasser gibt es dort jetzt 2G, selbst für Kinder: «Lasset die Geimpften und nur Kinder unter 11 zu mir kommen» – die Bibel muss neu geschrieben werden.
Immerhin «je nach Warnstufe» dürfen als Ausnahme bis zu 25 «nichtimmunisierte Gottesdienstbesucher*innen» teilnehmen. Ich weiss nicht, ob ich als Hetero-Normalfrau für diese wenigen Plätze noch vorgelassen werde.
Und hat nicht gar der Papst seiner Schweizer Garde die Impfung verordnet, was nun zur Entlassung der treusten Beschützer des Kirchoberhauptes führt, wenn sie sich widersetzen? Die irdischen Torwächter für den Zugang zum ewigen Leben im Himmelreich sind unerbittlich.
Bekennt man sich in heutigen Zeiten noch als Christ und zum Glauben an einen unsichtbaren Gott, dessen ungeschriebenen Gesetze man freiwillig befolgt, halten einen aufgeklärte Zeitgenossen für irgendetwas zwischen bemitleidenswert und irre.
Dieselben Leute befolgen gerade in vorauseilendem Gehorsam die Regeln der Angst im Namen eines unsichtbaren Virus.
Wer ist hier eigentlich irre?
In der Kirche galt übrigens 2000 Jahre lang schon 3G: Getauft. Gefirmt. Gesegnet.




