Heimkehrer aus Afghanistan

Fußballspieler kann man so behandeln – Soldaten nicht

01.07.2021
Lesedauer: 2 Minuten
Die Truppe blieb unter sich: Die letzten Heimkehrer aus Afghanistan auf dem Fliegerhorst Wunstorf. Bild: AP

Kein Politiker begrüßte die Heimkehrer aus Afghanistan. Sie hätten schon an diesem Tag sichtbare Anerkennung verdient gehabt. Auch die Männer vom KSK.

Wenn Impfstoffe oder Masken aus einem Flugzeug rollen, finden Ministerpräsidenten und Minister leicht den Weg zum Flughafen. Als die letzten deutschen Soldaten aus Afghanistan in ihre Heimat zurückkehrten, stand kein Politiker an der Rollbahn. Kein Bundespräsident, keine Bundeskanzlerin, keine Verteidigungsministerin, kein Außenminister, kein Staatssekretär, keine Wehrbeauftragte, kein Abgeordneter, nicht einmal ein Landrat.

Kramp-Karrenbauer weilte in Washington, und auch in weiteren Fällen war von Terminüberschneidungen die Rede. Daraus muss man schließen: Alles andere war wichtiger, als die letzten der 160.000 Frauen und Männer zu begrüßen, die in den vergangenen zwanzig Jahren in Afghanistan im Einsatz gewesen waren. 59 von ihnen kamen nicht lebend zurück.

Die Lebenden wie die Toten hätten schon an diesem symbolischen Tag sichtbare Anerkennung und Dankbarkeit verdient, nicht erst bei einem Festakt, den es noch geben soll. Warum erschienen nicht wenigstens ein paar Abgeordnete, die sonst immer darauf pochen, dass die Bundeswehr eine „Parlamentsarmee“ ist?

Mehr „freundliches Desinteresse“, wie es der Bundespräsident Köhler einmal kritisierte, war nicht möglich. Fußballspieler, die ein Achtelfinale verstolpert haben, kann man so behandeln – nicht aber Soldaten, die ihr Leben einsetzten, um den Auftrag von Regierung und Parlament zu erfüllen. Das taten auch und besonders jene, die den Abzug bis zur letzten Minute schützten: die Männer vom KSK.

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