Die Sparer wurden in den letzten Jahren durch die ultralockere Geldpolitik kalt enteignet. Man tröstete sich damit, dass der Geldwert zumindest stabil blieb. Doch selbst das ist jetzt in Gefahr.
Bald erreicht die steigende Inflation die politische Arena in Deutschland. Im politischen Vorfeld läuft die Debatte über die Geldentwertung schon heiß. Linksökonomen wie DIW-Chef Marcel Fratzscher haben schon ihr Argumentationsmuster geändert. Kürzlich fragte man noch in diesem Lager spöttisch: Wo ist denn die Inflation trotz der immensen Staatsverschuldung? Jetzt ist die Geldentwertung da.
In den USA liegt die Inflation schon bei vier Prozent und in Deutschland bald bei drei Prozent, also über der Zielmarke der EZB. Nun sagt Fratzscher: Drei bis vier Prozent seien tolerabel. Damit stellt er den Weltökonomen Keynes auf den Kopf, der postulierte: Ändern sich die Fakten, ändere ich meine Meinung. Bei seinen Apologeten heißt es: Ändern sich die Fakten, ändere ich mein Framing.
Kein Spitzenkandidat der Parteien wird vor der Bundestagswahl der Geldentwertung das Wort reden. Da mögen einige Wirtschaftshistoriker kritisieren, die Deutschen erinnerten sich angeblich falsch an die Hyperinflation in den 1920er-Jahren. Doch das ist im kollektiven Gedächtnis fest verankert.
Die Bürger haben ja recht. Wer 100.000 Euro hart zusammengehalten hat, verliert auf einmal 3000 Euro. Da wird sich keiner im Wahlkampf hinstellen und argumentieren, dafür werden die staatlichen Investitionen erhöht. Auch die hohe Sparquote wird keiner kritisieren. Das wäre Wählerbeschimpfung.
Die Sparer wurden in den letzten Jahren durch die ultralockere Geldpolitik kalt enteignet. Zinsen gab es nicht, höchstens Negativzinsen. Man tröstet sich darüber hinweg, dass der Geldwert zumindest stabil blieb. Diese Situation ist jetzt in Gefahr.
Zwar hoffen einige Optimisten, dass durch die anziehende Inflation auch der Zinsmechanismus wieder greift, es also höhere Zinsen geben könnte. Aber diese Wette ist hochriskant. Noch ist nicht ausgemacht, ob es zu einer dauerhaften Geldentwertung kommt. Die exzessive Schuldenmacherei und die stark am Süden Europas ausgerichtete EZB-Politik könnten sich zu einem toxischen Cocktail zusammenmischen.
Die Alarmzeichen sind schon da. Das Handwerk klagt über Holzmangel, die Halbleiterindustrie kann im Moment für Chips quasi Preise durchsetzen, wie sie möchte, und die Rohstoffpreise schießen durch die Decke. Sollten die Gewerkschaften mit Verweis auf die Teuerung höhere Löhne durchsetzen, wird es wirklich hochgefährlich. Das ist zwar der Traum mancher Linker. Aber man sollte die Fehleinschätzung des damaligen Kanzlers Helmut Schmidt im Gedächtnis behalten der sagte: Lieber fünf Prozent Inflation, als fünf Prozent Arbeitslosigkeit. Zum Schluss hatte er beides.




