Wegen Kaufunlust

Deutsche Wirtschaft stärker geschrumpft als erwartet

24.02.2023
Lesedauer: 3 Minuten
Kaufhaus in Dortmund: Die Inflation hat im vierten Quartal 2022 vielen Verbrauchern die Kauflust verdorben. Bild: dpa

Das Bruttoinlandsprodukt der deutschen Volkswirtschaft ist Ende 2022 etwa doppelt so stark zurückgegangen wie von Statistikern prognostiziert. Die hohen Preise hatten Verbrauchern die Kauflust verdorben. Aktuell aber bessert sich ihre Laune.

Die Wirtschaft in Deutschland hat sich zum Ende des vergangenen Jahres schlechter entwickelt als zunächst berechnet. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank im vierten Quartal 2022 gegenüber dem Vorquartal um 0,4 Prozent, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit. In einer ersten Schätzung war die Wiesbadener Behörde von einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,2 Prozent ausgegangen.

Laut dem Statistikamt hat sich die Dynamik der deutschen Wirtschaft zum Jahresende deutlich abgeschwächt. Grund war vor allem, dass die privaten Konsumausgaben wegen der hohen Inflation um 1,0 Prozent zum Vorquartal sanken.

Wenn das BIP auch im laufenden Vierteljahr – und damit zwei Quartale hintereinander – schrumpft, wäre Deutschland einer Faustregel zufolge in einer technischen Rezession. Für das Gesamtjahr 2023 allerdings sehen die meisten Fachleute trotz des Ukrainekriegs und anhaltender Lieferengpässe nicht mehr so schwarz wie noch im Herbst. Die Bundesregierung etwa rechnet für dieses Jahr damit, dass die Konjunktur um 0,2 Prozent anzieht. Das wäre allerdings wegen der Folgen der Energiekrise nur ein Bruchteil des Wachstums von 1,8 Prozent 2022.

Immerhin: Die Konsumlaune in Deutschland ist mittlerweile auf Erholungskurs. Die Verbraucher beurteilten die Konjunktur und ihre eigene Einkommenserwartung deutlich positiver als zuletzt, wie die Studie des Nürnberger Konsumforschungsunternehmens GfK zum Konsumklima ergab, die am Freitag veröffentlicht wurde. Die Anschaffungsneigung – also die Bereitschaft zum Kauf größerer Wirtschaftsgüter – bewege sich in jüngster Zeit dagegen auf und ab und habe zuletzt nur wenig zugelegt.

Pessimismus schwindet allmählich

„Der Pessimismus der Verbraucher, der im Herbst des vergangenen Jahres seinen absoluten Höhepunkt erreicht hatte, schwindet zusehends“, sagte GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl. Das Konsumklima habe trotz anhaltender Krisen wie des Ukrainekriegs, einer schwächelnden Weltwirtschaft sowie hoher Inflationsraten weiter zugelegt. „Es bleibt damit klar auf Erholungskurs, wenn das Niveau auch weiterhin niedrig bleibt.“

Bürkl machte für die bessere Verbraucherstimmung vor allem die nicht ganz so stark wie erwartet gestiegenen Preise verantwortlich. „Zuletzt gesunkene Preise für Energie, aber auch Meldungen, dass in diesem Jahr eine Rezession in Deutschland nach Einschätzung der Experten nun doch vermieden werden kann, lassen den Optimismus ganz langsam zurückkehren“, sagte der Experte.

Trotz der gestiegenen Erwartungen verharrt das Konsumklima in Deutschland auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Die Nürnberger Forscher geben die Verbraucherstimmung für den März mit einem Wert von -30,5 an. Das ist ein Anstieg um 3,3 Punkte im Vergleich zum Februar. In Vorkrisenzeiten war der Wert für das Konsumklima bei etwa +10 relativ konstant.

Damit wird der private Konsum in diesem Jahr nach Einschätzung der GfK-Forscher voraussichtlich keinen positiven Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland leisten können. Und das, obwohl die Erwartungen zur Konjunktur mit einem Plus von 6,6 Punkten deutlich gestiegen sind und erstmals wieder das langjährige Mittel der Nulllinie überschritten.

Quelle: dpa/Reuters

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