Treibstoff

Bundeswehr bestellt 3,8 Millionen Liter Öko-Kerosin

11.09.2023
Lesedauer: 3 Minuten
Ein Airbus A400M Transportflugzeug steht auf dem Fliegerhorst Wunstorf: Die Maschine kann mit Öko-Kerosin fliegen Quelle: picture alliance/dpa

Erstmals kauft die Luftwaffe umweltfreundlicheren Treibstoff. Er soll in das Nato-Pipelinenetz CEPS, das Luftwaffenstützpunkte versorgt, eingespeist werden. Kampfjets, Transporter und Helikopter können mit dem Treibstoff fliegen.

Um in Zukunft klimaneutral zu fliegen, setzt die Luftfahrt große Hoffnung auf synthetisches Kerosin (SAF – steht für Sustainable Aviation Fuel). Nicht nur die zivilen Fluggesellschaften bekommen Druck von Öffentlichkeit und Politik, von herkömmlichem Kerosin aus Erdöl und damit auf fossiler Basis abzurücken.

Auch das Militär versucht, als Treibstoff-Großkunde umweltfreundlicher zu werden. Nach Recherchen von WELT AM SONNTAG bestellt die Bundeswehr jetzt etwa 3,8 Millionen Liter SAF zur Einspeisung in das Nato-Pipelinenetz CEPS, das Luftwaffenstützpunkte versorgt.

„Dies ist die erste Ausschreibung der Bundeswehr über Flugkraftstoff mit SAF-Anteilen“, heißt es auf Anfrage beim Beschaffungsamt der Bundeswehr. Welche Flugzeug- oder Hubschraubermodelle mit dem Treibstoff betankt werden sollen, blieb vorerst offen.

Im Vergleich zu den Bestellmengen der Luftwaffe für herkömmliches Kerosin ist der SAF-Einkauf allerdings noch sehr klein. Aus der jüngst veröffentlichten Ausschreibung geht hervor, dass neben dem SAF-Treibstoff zudem umgerechnet etwa 195 Millionen Liter herkömmlicher Flugturbinentreibstoff bestellt werden. Auf die Gesamtmenge bezogen liegt der SAF-Anteil damit bei knapp zwei Prozent.

Der Lieferzeitraum erstreckt sich über ein Jahr, beginnend im Dezember. Zudem gibt es einige Klauseln, nach denen sich die Abrufmengen noch ändern könnten. Bestellt wird in 14 Einzelaufträgen, „um unterschiedliche Preise und Kostenstrukturen abzubilden“.

Angaben über den gesamten Treibstoffverbrauch der Luftwaffe will das Beschaffungsamt nicht machen. Das ausgeschriebene SAF-Volumen sei „die Bedarfsmenge der Bundeswehr“, heißt es.

Öko-Kerosin bislang nur in Kleinstmengen am Markt

Dieses relativ geringe Volumen beruht wohl darauf, dass es Öko-Kerosin bislang nur in Kleinstmengen am Markt gibt und der Treibstoff erheblich teurer ist als Kerosin auf fossiler Basis. Das soll sich ändern. In der Zivilluftfahrt werden in der EU die Flugzeugtreibstoffanbieter verpflichtet, dem Kerosin ab 2025 mindestens zwei Prozent SAF beizumischen. Bis 2050 soll der Anteil dann auf 70 Prozent klettern.

Öko-Treibstoff wird bislang vor allem aus landwirtschaftlichen Abfällen, gebrauchtem Speiseöl oder grünem Wasserstoff erzeugt. SAF gilt dabei derzeit als die am schnellsten umsetzbare Art mit dem größten Einsparpotential an Treibhausgasen.

Wasserstoff-Flugzeugantriebe oder Batterie-Elektroantriebe sind zumindest für größere Langstreckenflugzeuge in der kommerziellen Luftfahrt noch nicht realistisch. SAF wird bei Flugzeugen auch nur als Beimischung zum herkömmlichen Kerosin verwendet.

Die Bundeswehr betont seit Längerem, dass sie umweltbewusster werden wolle. DerInspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Ingo Gerhartz, erklärte im vergangenen Jahr, dass eine „anteilige Betankung von Luftfahrzeugen der Flugbereitschaft mit SAF“ vorgesehen sei.

Er rechnete vor, dass bei einer Nutzung von 50 Prozent SAF der CO₂-Ausstoß um circa 40 Prozent vermindert würde. Gerhartz nannte aber keinen Zeitraum, wann dieser Wert erreicht werden könnte.

Die Flugzeug- und Triebwerkshersteller machen verstärkt Werbung für den SAF-Einsatz. Airbus testete beispielsweise schon am Militärtransporter A400M, dem Hubschrauber NH90, dem Kampfjet Eurofighter sowie an zivilen Modellen die Beimischung des Treibstoffs.

Dabei setzt nicht nur die Luftwaffe künftig auf Öko-Kerosin. Das britische Militär betankte im Januar einen Eurofighter und ein US-Militärtransporter C130J Hercules mit einer SAF-Mischung, die der Mineralölmulti BP lieferte. Die US-Militärs streben, so heißt es in der Branche, an, ihre Flugzeuge bis 2028 mit mindestens zehn Prozent SAF-Beimischung zu betanken.

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