Der PCR-Test von Novak Djokovic macht skeptisch. Außerdem hat der Tennisstar falsche Angaben auf seinem Einreiseformular gemacht.
Der positive Corona-Test von Tennisstar Novak Djokovic, der die Grundlage für seine Teilnahme an den Australian Open sein soll, erweckt neue Zweifel. Wie unter anderem der „Spiegel“ berichtet, datiert das digitale Ergebnis des positiven Tests vom 26. Dezember. Dabei geht aus Unterlagen des Serbischen Instituts für Öffentliche Gesundheit hervor, dass Djokovic bereits am 16. Dezember positiv getestet worden sein soll.
Das digitale Datum erscheint deshalb merkwürdig, weil der Beweis für seine Genesung, der negative Test, am 22. Dezember gemacht worden sein soll. Dazu passen die Seriennummern der Tests. Demzufolge wurde der negative Test vor dem positiven Test vorgenommen, schreibt der „Spiegel“. Möglich ist natürlich auch, dass das Testergebnis manipuliert wurde.
Bereits zuvor war bekannt geworden, dass der QR-Code auf dem inzwischen öffentlich gewordenen Dokument des serbischen Instituts für öffentliche Gesundheit zu verschiedenen Zeiten unterschiedliche Resultate zeigte, wie der leitende Redakteur des „Racquet Magazine“, Ben Rothenberg, auf Twitter schreibt: mal positiv, mal negativ.
And now I *just* tried it again and it says the opposite thing for the same test: positive.
— Ben Rothenberg (@BenRothenberg) January 10, 2022
Who is messing with this website? pic.twitter.com/HRiJYMX5QO
Weiterhin ist unklar, ob der Weltranglistenerste Djokovic bei den Australian Open ab dem 17. Januar spielen darf. Der zuständige Einwanderungsminister Alex Hawke könnte Djokovics Visum noch immer aufheben. „In Übereinstimmung mit dem erforderlichen Verfahren wird Minister Hawke den Sachverhalt gründlich prüfen“, ließ ein Sprecher verlauten.
Inzwischen haben sogar Australiens Premierminister Scott Morrison und Serbiens Premierminister Anna Brnabić telefoniert, wie die australische Nachrichtenagentur AAP meldete. Morrison habe auf der „nicht-diskriminierenden“ Grenzpolitik seines Landes bestanden, was den Corona-Schtz angeht, Brnabić auf der Wichtigkeit für Djokovic, vor dem Turnier zu trainieren. Das tut der Serbe inzwischen Medienberichten zufolge, und zwar in der Rod Lover Arena, einem der Austragungsorte der Australian Open.
Seine Einreise nach Australien stützte der Spieler, der nicht gegen das Coronavirus geimpft ist, auf eine im Dezember 2021 überstandene Corona-Infektion, die ihm eine „medizinische Ausnahmegenehmigung“ verschaffte.
Nun steht dieser Genesenenstatus in Frage – und erweist sich als Boomerang. Darüber hinaus könnten falsche Angaben in Djokovics Einreiseformular für zusätzliche Schwierigkeiten sorgen. Wie australische Medien am Dienstag berichteten, entspricht eine Angabe in dem Dokument nicht der Wahrheit: Djokovic hatte sich, entgegen der Auskunft, in den 14 Tagen vor dem Flug nach Australien nicht durchgehend im Abflugland Spanien aufgehalten, wo er zur Weihnachtszeit trainiert hatte – sondern auch in seinem Heimatland Serbien.
Verstöße gegen Einreiseregeln
„Falsche oder irreführende Informationen zu geben ist ein ernster Verstoß“, heißt es im Einreiseformular. „Sie können für eine Zivilstrafe haftbar gemacht werden, wenn Sie falsche oder irreführende Informationen geben.“ Sogar bis zu 12 Monate Haft drohten, schreibt die britische Zeitung „Daily Mail“.
Die Vorwürfe wiegen umso schwerer angesichts der Entscheidung von Richter Anthony Kelly am Montag, Djokovic aus dem Abschiebehotel in Melbourne zu entlassen, in dem er am Wochenende untergebracht war. „Was hätte dieser Mann noch mehr tun können?“, hatte Kelly zu Djokovics Verteidigung gesagt.
Novak Djokovic and Benfica’s handball player (the best, btw) Petar Djordjic in Belgrade today. pic.twitter.com/U7lti3xjcQ
— José Morgado (@josemorgado) December 25, 2021
Auch hat Djokovic nachweislich öffentliche Veranstaltungen besucht, obwohl er zuvor positiv auf das Coronavirus getestet worden war. Bei den Events trug er zudem keine Maske.
Laut Testdokument des Sportlers bestätigte am 16. Dezember um 20.19 Uhr ein PCR-Test die Corona-Infektion Djokovics. Dennoch empfing er am Folgetag zahlreiche Kinder im „Novak Tennis Center“ und posierte mit ihnen für Selfies – ohne Maske. Auch am darauffolgenden 18. Dezember isolierte der Weltranglistenerste sich nicht zu Hause, sondern begab sich zu einem Fotoshooting anlässlich der Preisverleihung „Champion der Champions 2021“ der französischen Sportzeitung „L’Équipe“.
There’s more:
— Ben Rothenberg (@BenRothenberg) January 8, 2022
On December 17th, the day *after* Djokovic’s purported positive PCR test on December 16th, Djokovic attended an award ceremony for children at the Novak Tennis Center.
Many posts from the kids there posing for pictures with him that day, again masklessly indoors. pic.twitter.com/2ecOSwA7lU
Nicht nur missachtete Djokovic, wie sich nun zeigt, jegliche Schutzmaßnahmen; sondern kam seine Infektion auch zu spät, um ihm die „medizinische Ausnahmegenehmigung“ überhaupt zu erlauben.
Die Frist für eine solche Genehmigung sei nämlich am 10. Dezember ausgelaufen, wie Ben Rothenberg berichtete. Dennoch habe die ärztliche Leiterin der Australian Open die Genehmigung ausgestellt – und zwar erst am 16. Dezember.
Vater verglich ihn mit Jesus
Der Fall hatte zu Demonstrationen in Djokovics Heimatland geführt. „Ganz Serbien steht hinter ihm“, hatte Präsident Aleksandar Vučić nach einem Telefonat mit dem Sportler auf Instagram geschrieben. Djokovics Vater hatte seinen Sohn mit Jesus Christus verglichen.
Unterstützung erhält Djokovic auch vom liberalen Senator Alex Antic. „Die Welt will Novak spielen sehen“, schrieb er in einem Statement an seinen Parteikollegen Alex Hawke. Allerdings hatte Antic, den „Independent Australia“ als „Posterboy der Trumpisten“ bezeichnete, selbst erst im Dezember nur mit einer Ausnahmegenehmigung reisen können – und war, weil er seinen Flughafenbeamten seinen Impfstatus nicht verraten wollte, in ein Quarantänehotel gebracht worden.
Schon zu Beginn der Pandemie war Djokovic dadurch aufgefallen, dass er sich bewusst nicht an Schutzmaßnahmen gegen Corona gehalten und auch andere in Gefahr gebracht hatte. So hatte er im Juni 2020 die „Adria Tour“ abgehalten und sich dabei schon einmal mit dem Virus infiziert. (mit dpa)






