Komiker sieht Trend kritisch

Jürgen von der Lippe bezeichnet Gendern als „falsches Deutsch“

09.01.2022
Lesedauer: 3 Minuten
Jürgen von der Lippe hält nichts vom Gendern. Henning Kaiser/dpa

Entertainer Jürgen von der Lippe reiht sich ein bei Elke Heidenreich, Dieter Hallervorden und Heinz Rudolf Kunze: Er verteidigt das generische Maskulinum und findet gendergerechte Sprache übertrieben.

Fernseh-Urgestein Jürgen von der Lippe hält geschlechtersensibles Deutsch für einen aufgesetzten Trend. „Es ist doch ein Skandal, dass Universitäten verlangen, dass Arbeiten von den Studenten gegendert und so in einem falschen Deutsch eingereicht werden“, sagte der 73 Jahre alte Entertainer der „Bild am Sonntag“.

„Es entsteht der Eindruck, dass es eine breite Bewegung wäre. Aber das Gegenteil ist der Fall. Je nach Umfrage wollen bis zu 91 Prozent der Deutschen nicht gendern.“ Dem „Spiegel“ sagte von der Lippe: „Ich möchte mir nicht aufzwingen lassen, so zu reden wie eine kleine Gruppe von Menschen, die glauben, den Stein der Weisen zur Verbesserung der Gesellschaft gefunden zu haben.“

„Verlässlicher Lacher“: Von der Lippe wettert gegen Baerbock

Im „Spiegel“ führte der Komiker und Musiker seine Meinung mit anderen Beispielen aus: „Ärzte“ sei das generische Maskulinum, das biologische Geschlecht interessiere in dem Zusammenhang nicht. „Umgekehrt kann die Leiche ein Mann sein, ebenso die Koryphäe oder die Waise – und keinen stört’s! Dass Annalena Baerbock bei „Anne Will“ vor lauter Gendern sogar von „Steuer:innenzahlern“ gesprochen hat, ist in meinem Bühnenprogramm bis heute ein verlässlicher Lacher.“

Seit Jahren wird in Deutschland debattiert, ob und wie männliche Formen in der Sprache durch weiter gefasste Begriffe ersetzt werden – um Frauen, aber auch etwa Intersexuelle einzubeziehen. Immer wieder äußerten sich in den vergangenen Monaten auch Prominente zu dem Sprachtrend.

Von der Lippe bekennt sich „ein alter weißer Mann“ zu sein

Von der Lippe meint in der „Bild am Sonntag“, geschlechtergerechte Sprache sei gar nicht gerecht: „Wenn ich selbst queer wäre, also schwul, lesbisch, bi-, trans- oder intersexuell, wäre ich beleidigt, dass ich nur von so einem kleinen Zeichen repräsentiert werden soll. Außerdem frage ich mich, was mit all den anderen Menschen ist, die in unserer Gesellschaft benachteiligt sind.“ Solle für die auch etwas eingeführt werden? „Ein Emoji vielleicht? Das stimmt doch alles hinten und vorne nicht. Warum bleiben wir nicht einfach beim generischen Maskulinum, da kann sich jeder zu Hause fühlen.“

Er bekenne, „ein alter weißer Mann“ zu sein, der als Wurzel von Übeln wie Kolonialismus und Klimawandel ausgemacht sei, führte von der Lippe aus – wohl um Kritik vorwegzunehmen. „Nur wenn man es als Dreifach-Diskriminierung nutzt, ist es unzulässig. Denn ich darf wegen meines Alters, meiner Hautfarbe und meines Geschlechts nicht beleidigt werden. Da muss schon gleiches Recht für alle gelten.“

Das könnte Sie auch interessieren

Für Energiekonzern
01.12.2024
EU-Plan gescheitert
29.11.2024
ARD-Show "Die 100"
26.11.2024
Abstimmung über neue EU-Kommission
27.11.2024

Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

zwanzig + sechzehn =

Weitere Artikel aus der gleichen Rubrik

Anklage wegen Menschenhandels und sexueller Gewalt
18.11.2024

Neueste Kommentare

Trends

Alle Kategorien

Kategorien