Nur ein kleiner Hüpfer für einen Roboter: Indien hat die Triebwerke des Mondlanders »Vikram« noch einmal kurz gezündet. Die Technik gilt als wichtig für zukünftige Missionen.
Man muss die manchmal nationalistisch angehauchten Erfolgsmeldungen nicht vorbehaltlos gut finden, die Indien nach dem sanften Aufsetzen seines Mondroboters »Vikram« am 23. August verbreitet. Tatsache ist aber, dass dem Land im Rahmen seiner »Chandrayaan-3«-Mission gleich mehrere Erfolge geglückt sind. Neben der weichen Landung – an der Aufgabe waren zuvor Israel, Japan und Russland gescheitert – waren das zum Beispiel die erfolgreiche Fahrt des kleinen, sechsrädrigen Roboterautos »Pragyan« und der Nachweis von Schwefel auf der Oberfläche des Erdtrabanten. Und nun hat die Liste der wissenschaftlich-technischen Leistungen einen weiteren interessanten Eintrag bekommen.
Die indische Weltraumorganisation Isro vermeldete am Montag, dass »Vikram« erfolgreich ein Hüpfexperiment absolviert habe. Dafür seien die Triebwerke des Landeroboters noch einmal gezündet worden. Das Gerät sei 40 Zentimeter hoch aufgestiegen und anschließend in 30 bis 40 Zentimetern Abstand zur ersten Landestelle wieder zum Stehen gekommen. Damit habe »Vikram« die Missionsvorgaben übertroffen, so Isro.
Chandrayaan-3 Mission:
— ISRO (@isro) September 4, 2023
🇮🇳Vikram soft-landed on 🌖, again!
Vikram Lander exceeded its mission objectives. It successfully underwent a hop experiment.
On command, it fired the engines, elevated itself by about 40 cm as expected and landed safely at a distance of 30 – 40 cm away.… pic.twitter.com/T63t3MVUvI
Vor der Wiederzündung des Triebwerks seien die Rampe zum Absetzen des Rovers, ein Experiment zur Messung von Wärmeleitfähigkeit und Temperatur des Mondbodens sowie ein Seismometer erfolgreich eingeklappt worden. Der Mondhüpfer sei mehr als eine technische Spielerei, heißt es bei der Isro. Der »Kick-Start« unterstütze »zukünftige Probenrückführungen und bemannte Missionen«.
Aufgewirbelter Staub kann gefährlich werden
Klar ist, dass zukünftige Landesonden, die Material oder Menschen zurück zur Erde befördern sollen – vom Mond, vom Mars und von anderen Orten im Sonnensystem – ihre Triebwerke wieder zünden können müssen. Eine Rückkehr vom Mond haben einst die astronautischen »Apollo«-Missionen der Amerikaner erfolgreich ebenso absolviert wie die sowjetischen »Luna«-Sonden. Aber um eine Selbstverständlichkeit handelt es sich keineswegs: Schwierig ist das Manöver unter anderem dadurch, dass beim Wiederzünden der Triebwerke größere Mengen an Staub aufgewirbelt werden, die zu Beschädigungen führen können.
Die indische Mondmission »Chandrayaan-3« nähert sich in diesen Tagen vermutlich ihrem Ende. Die Technik wird über Solarpanels mit Energie versorgt. Allerdings steht eine Mondnacht bevor, in der weder der Lander noch das Roboterauto auf Strom hoffen können. Damit fehlt auch die Möglichkeit, Geräte warmzuhalten, wenn die Umgebungstemperaturen auf unter -200 Grad Celsius fallen können. chs





