Frankreichs Präsident

Macron verteidigt teils vulgäre Aussagen über Ungeimpfte

07.01.2022
Lesedauer: 2 Minuten
Die Wortwahl des französischen Präsidenten Macron hatte in Opposition und Gesellschaft für Kritik gesorgt Quelle: AFP/THOMAS SAMSON

In einem Interview hat der französische Präsident Emmanuel Macron Ungeimpfte scharf attackiert. Er wolle sie bis zum bitteren Ende nerven, sagte er. Und: Wer sich nicht impfen lasse, sei kein Bürger mehr. Die teils heftige Kritik an seiner Wortwahl wies Macron nun zurück.

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron hat nach hitzigen Debatten seine Wortwahl gegenüber Ungeimpften verteidigt. Er stehe vollkommen zu seinen Äußerungen, sagte Macron am Freitag. Man könne sich über Formulierungen aufregen, die umgangssprachlich erschienen seien, doch er könne es nicht akzeptieren, dass manche im Namen ihrer Freiheit andere gefährdeten. „Es lag meiner Meinung nach in meiner Verantwortung, (…) ein wenig Alarm zu schlagen“, sagte Macron. Dies habe er getan.

Der französische Präsident hatte in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview mit der Zeitung „Le Parisien“ mit einem deutlichen und teils vulgär verstandenen Vokabular davon gesprochen, Ungeimpfte in der Corona-Pandemie bis zum Ende nerven zu wollen. In dem Interview hatte Macron mit Blick auf Impfgegner zudem gesagt, ein Unverantwortlicher sei kein Bürger mehr. Seine Aussagen waren in Opposition und Gesellschaft teils auf heftige Kritik gestoßen.

Macron führte nun aus: „Bürger sein, heißt, Rechte und Pflichten haben.“ Die Freiheit, sich nicht impfen zu lassen, höre da auf, wo sie die Freiheit anderer einschränke, das Leben anderer in Gefahr bringe. Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Macron, Rechte und Pflichten müssten Hand in Hand gehen. Eine Regierung müsse auch schützen, und der in Frankreich geplante Impfpass sei ein Schutz für Geimpfte.

Frankreichs Regierung will in wenigen Tagen drastische Einschränkungen für Ungeimpfte einführen. Sie sollen dann keinen Zugang mehr zu Kinos, Bars oder Fernzügen haben. Das Gesetzesvorhaben ist aber noch nicht durch das Parlament. Im Unterhaus hatte es hitzige Debatten dazu gegeben. Aktuell ist Frankreich stark von der Pandemie getroffen. Der Inzidenzwert, also die registrierten Ansteckungen je 100.000 Menschen innerhalb einer Woche, lag zuletzt bei etwa 2209.

Macron hat gezeigt, dass ihm französische Singularinteressen wichtiger sind als das Wohl Europas, schreibt WELT-Autor Christoph B. Schil
Macron hat gezeigt, dass ihm französische Singularinteressen wichtiger sind als das Wohl Europas, schreibt WELT-Autor Christoph B. Schiltz
Quelle: John Thys/Pool via REUTERS; Claudius Pflug

dpa/laj

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