Deutsche-Börse-CEO

„Schiere Katastrophe“ – Börsen-Chef mit Wutrede über Habecks Wirtschaftspolitik

07.06.2024
Lesedauer: 3 Minuten
Theodor Weimer, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Börse AG Quelle: dpa/Hannes P Albert

Theodor Weimer, Vorstandschef der Deutschen Börse, hat sich ungewöhnlich deutlich über den Standort Deutschland geäußert. Investoren verlangten inzwischen Risikoaufschläge und mieden das Land. Weimer sagt: „So schlecht wie jetzt war unser Ansehen in der Welt noch nie.“

Es ist eine Rede, die von Dax-Managern eher selten gehalten wird: Theodor Weimer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Börse AG, hat bei einem Auftritt des Wirtschaftsbeirats Bayern seinem Unmut über die Ampel-Koalition ungewöhnlich deutlich Luft gemacht.

Die Rede hielt Weimer bereits am 17. April auf einer Tagung im Bayrischen Hof in München, sie wurde aber erst später vom Wirtschaftsrat auf YouTube veröffentlicht.

Weimer berichtet darin von Treffen mit Vertretern der Bundesregierung. „Ich habe mein 18. Treffen mit Wirtschaftsminister und Vizekanzler Robert Habeck hinter mir und ich kann ihnen sagen: Es ist eine schiere Katastrophe.“ Am Anfang sei er interessiert gewesen, habe zugehört. „Inzwischen kommen die Fundamentalisten immer mehr durch.“

Als Chef der Deutschen Börse ist Weimer Mr. Dax – Ansprechpartner für Investitionen in alle großen börsengelisteten Unternehmen in Deutschland. Doch inzwischen sei das Interesse an einer Geldanlage in Deutschland eingebrochen, Investitionen verlangten Risikoaufschläge. „So schlecht wie jetzt war unser Ansehen in der Welt noch nie – noch nie!“, sagt Weimer.

„Die schütteln nur noch mit dem Kopf. Die sagen: Wo sind denn eigentlich die deutschen Tugenden geblieben. Wir wissen nicht mehr, wie wir Euch in Deutschland lesen sollen“, führt der 64-Jährige aus. „Wenn ihr so weitermacht, werden wir Euch noch weiter meiden und noch weiter rausgehen aus Deutschland.“

Deutschland sei nach Einschätzung von Außen auf dem Weg, eine alte Ökonomie wie Japan zu werden. Das asiatische Land hatte jahrzehntelang mit einer Deflation zu kämpfen: sinkende Umsätze, fehlende Investitionen, fallende Löhne und kaum Wirtschaftswachstum. „Wir sind ökonomisch gesprochen auf dem Weg zum Entwicklungsland“, sagt Weimer.

„Ausrichtung am Gutmenschentum wird nirgends geteilt“

Ein Grund sei, dass Deutschland seine Automobilindustrie zerstört habe. „Wir haben uns unser Geschäftsmodell kaputt reden lassen“, wettert Weimer. Durch die CO₂-Vorgaben seien die Autokonzerne in eine Ecke gedrängt worden, aus der sie nicht mehr herauskämen. Wenn er einen 7er-BMW kaufe, erhalte er in Deutschland nur einen Sechszylinder als Hybrid, in den USA hingegen einen reinen Achtzylinder. „Dann erklärt mir unser Aufsichtsrat, wir müssen die Dienstwagen kleiner machen“, sagt Weimer. „Das ist doch dummes Zeugs. Wir müssen die Dienstwagen wieder groß machen. Das schafft nämlich Wachstum.“

Auch über die Migrationspolitik in Deutschland fällt er ein hartes Urteil. „Unsere Migrationspolitik wird allseits als vollkommen falsch empfunden“, sagt Weimer. „Unsere Ausrichtung am Gutmenschentum wird nirgends geteilt.“ Ökonomisch betrachtet hieße Migration, Fachkräfte anzuwerben, die die Sprache sprächen und Sozialprodukt generieren, aber nicht, „die zu 50 Prozent das Bürgergeld abkassieren und das irgendwo hinschicken.“ Auch bezüglich Verteidigung und Digitalisierung habe Deutschland geschlafen.

Die Zeiten, in denen man gesagt habe, rede Deutschland nicht schlecht, seien vorbei, sagt Weimer zum Abschluss seiner Rede. Und zitiert einen jüngst verstorbenen Staatsmann der Bundesrepublik. „Isch over, würde Wolfgang Schäuble sagen.“

sebe

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