Emily Callahan hatte zwei Monate im Gazastreifen für »Ärzte ohne Grenzen« gearbeitet, dann brach der Krieg aus. Nun konnte sie evakuiert werden – und spricht im CNN-Interview von erschütternden Eindrücken.
Im August ging die US-Krankenschwester Emily Callahan für die Hilfsorganisation »Ärzte ohne Grenzen« nach Gaza. Gut zwei Monate später griffen Hamas-Terroristen Israel an, die israelische Armee antwortet seither mit massiven Luftschlägen und einer Bodenoffensive. Callahan war während der Angriffe im Gazastreifen, erst vergangenen Mittwoch konnte sie evakuiert werden. Nun berichtet die Krankenschwester von einer verheerenden medizinischen Versorgungslage in Gaza.
Ihr Team habe »Kinder mit massiven Verbrennungen im Gesicht, am Hals und an allen Gliedmaßen gesehen«, sagte Callahan dem US-Sender CNN. Weil die Krankenhäuser so überlastet seien, würden die Kinder sofort wieder entlassen und in Flüchtlingslager ohne Zugang zu fließendem Wasser geschickt.
Sie kenne Lager, in denen 50.000 Menschen hausen und sich vier Toiletten teilen. Wasser gebe es alle zwölf Stunden, dann aber nur gut zwei Stunden lang. Es gebe Kinder mit »frischen offenen Verbrennungen und Wunden sowie Teilamputationen, die unter diesen Bedingungen herumlaufen«.
Viele Ärztinnen, Ärzte und Krankenpflegekräfte würden weiter im Gazastreifen verbleiben, berichtet Callahan. Sie seien »einige der mutigsten Menschen, die ich je getroffen habe«. Über ihre eigene Gelegenheit, evakuiert worden zu sein, könne sie sich kaum freuen. Sicher zu sein fühle sich nicht gut an, wenn man Menschen zurücklassen müsse.
Ihre eigene Arbeit vor Ort beschrieb sie als traumatisch. »Wir konnten die Bombardierungen und Luftangriffe hören, während wir Notoperationen durchführten«, so Callahan. »Manchmal vibrierte das ganze Krankenhaus von Einschlägen in der Nähe.« Eine befreundete Pflegerin sei ums Leben gekommen, als ein Rettungswagen unmittelbar vor dem Krankenhaus von einer Bombe getroffen wurde.
Mit Blick auf die Lage im Gazastreifen mahnte Callahan mehr Hilfen an. Wenige wüssten, was wirklich vor Ort passiere. »Medizinisches Personal wie auch Zivilisten verlieren dort ihr Leben allein aufgrund eines Mangels an einfachen Hilfsgütern oder der Unmöglichkeit, für Behandlungen [den Gazastreifen] verlassen zu können.«
Hunderte Kämpfer der radikalislamischen Organisation hatten am 7. Oktober Israel überfallen und in einer Reihe von Ortschaften und bei einem Musikfestival wahllos Gräueltaten vor allem an Zivilisten verübt. Nach israelischen Angaben wurden 1400 Menschen getötet, mehr als 240 weitere wurden als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Die israelische Armee nimmt seither den Gazastreifen unter Dauerbeschuss. Dabei wurden nach Angaben der Hamas, die sich nicht unabhängig überprüfen lassen, mehr als 9700 Menschen getötet.
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