Balticonnector

Finnland schließt staatliche Beteiligung bei Pipeline-Schaden nicht aus

13.10.2023
Lesedauer: 5 Minuten
Ein Spezialschiff beim Verlegen der Pipeline im Jahr 2019 Quelle: via REUTERS

Seit dem plötzlichen Druckabfall in einer Gaspipeline zwischen Finnland und Estland war eine mögliche Ursache gesucht worden. Jetzt deutet vieles darauf hin, dass die Leitung mutwillig beschädigt wurde. Der finnische Geheimdienstchef Antii Pelttari hält sogar die Beteiligung eines staatlichen Akteurs für möglich.

Nach dem Schaden an einer Erdgas-Pipeline in der Ostsee zwischen Finnland und Estland hält der finnische Geheimdienst die Beteiligung eines Staates als Verursacher für möglich. Die Beteiligung eines staatlichen Akteurs könne nicht ausgeschlossen werden, sagte der finnische Geheimdienstchef Antii Pelttari am Donnerstag. Bei den Ermittlungen gehe es darum herauszufinden, wer dahinterstecke. Zu den Details äußere man sich nicht.

Finnische Ermittler hatten am Mittwoch berichtet, dass äußere Spuren auf dem Meeresgrund neben der Schadensstelle gefunden worden seien. Es werde zudem der Schiffsverkehr zum Zeitpunkt des Vorfalls analysiert. Ein ranghoher Ermittler hatte gesagt, es sehe derzeit so aus, dass der Schaden durch eine mechanische Kraft und nicht durch eine Explosion verursacht worden sei.

„Es ist deutlich zu erkennen, dass diese Schäden durch eine ziemlich starke Kraft verursacht wurden“, sagte Hanno Pevkur am Mittwoch. „Was es also genau ist, müssen wir noch präzisieren, aber im Moment sieht es eher danach aus, dass es sich um mechanische Einwirkungen beziehungsweise mechanische Zerstörung handelt.“

Estlands Verteidigungsminister Hanno Pevkur (r.) auf einer Pressekonferenz zu den Vorfällen im Zusammenhang mit „Balticonnector“
Estlands Verteidigungsminister Hanno Pevkur (r.) auf einer Pressekonferenz zu den Vorfällen im Zusammenhang mit „Balticonnector“
Quelle: AP/Sergei Grits

Litauens Energieminister Dainius Kreivys sprach sich für einen stärkeren Schutz der Energie-Infrastruktur in der Ostsee aus. „Die am stärksten gefährdete Infrastruktur befindet sich vor der Küste und ist schwer zu schützen“, sagte er am Mittwoch im litauischen Rundfunk. „Wir brauchen wahrscheinlich ein noch höheres Maß an Überwachung, ein noch höheres Maß an Schutz. Und wir brauchen, wie der Außenminister erwähnte, wahrscheinlich gemeinsame Vereinbarungen und eine Arbeitsteilung darüber, wer was tut.“

Stoltenberg droht mit „entschlossener Antwort“ der Nato

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg drohte mit einer entschlossenen Antwort des Verteidigungsbündnisses. „Wenn sich herausstellt, dass es sich um einen Angriff auf kritische Nato-Infrastrukturen handelt, wird die Nato geschlossen und entschlossen darauf reagieren“, sagte er vor einem Treffen der Verteidigungsminister der Allianz.

Das unabhängige seismologische Institut Norwegens (NORSAR) hatte am Dienstag auf seiner Website erklärt, man habe in der Nacht zu Sonntag (0.20 Uhr MESZ) „eine mutmaßliche Explosion vor der finnischen Ostseeküste festgestellt.“ Der finnische Präsident Sauli Niinistö hatte schon zuvor gesagt, an der Pipeline sei mit ziemlicher Sicherheit durch „äußere Einwirkung“ ein Schaden entstanden.

Finnlands Präsident Sauli Niinistö erklärte das Gasleck mit „äußerer Einwirkung“ (Archiv)
Finnlands Präsident Sauli Niinistö erklärte das Gasleck mit „äußerer Einwirkung“ (Archiv)
Quelle: picture alliance/ZUMAPRESS.com/Marina Takimoto

Wörtlich hatte Niinistö am Dienstag erklärt: „Es ist wahrscheinlich, dass der Schaden sowohl an der Gaspipeline als auch an dem Telekommunikationskabel das Ergebnis äußerer Einwirkung ist.“ Die Balticonnector-Pipeline transportiert Gas von Estland nach Finnland.

Litauens Energieminister Dainius Kreivys forderte einen stärkeren Schutz der Energie-Infrastruktur in der Ostsee. „Die am stärksten gefährdete Infrastruktur befindet sich vor der Küste und ist schwer zu schützen“, sagte er am Mittwoch im litauischen Rundfunk. „Wir brauchen wahrscheinlich ein noch höheres Maß an Überwachung, ein noch höheres Maß an Schutz. Und wir brauchen, wie der Außenminister erwähnte, wahrscheinlich gemeinsame Vereinbarungen und eine Arbeitsteilung darüber, wer was tut.“

Auch Militär und Geheimdienst in Ursachenforschung einbezogen

Die Betreibergesellschaften, Gasgrid aus Finnland und Elering aus Estland, hatten am frühen Sonntagmorgen einen plötzlichen Druckabfall in der Pipeline bemerkt. Der Gastransport zwischen den beiden EU-Ländern wurde daraufhin eingestellt. Die Betreiber kündigten Untersuchungen an. Berichten zufolge wurden bei den Ermittlungen auch das Militär und der Geheimdienst hinzugezogen.

„Aufgrund des ungewöhnlichen Druckabfalls liegt die begründete Vermutung nahe, dass die Ursache des Vorfalls eine Beschädigung der Offshore-Gas-Pipeline und ein daraus resultierendes Leck waren“, teilte Gasgrid früher am Dienstag mit. Das Gasleck sei durch die Isolierung des Teilabschnitts gestoppt worden.

Reparaturen werden mindestens fünf Monate dauern

Die Reparatur der Pipeline wird nach Angaben des Betreibers mindestens fünf Monate dauern. Dies teilte der finnische Staatskonzern Gasgrid am Mittwoch „auf der Grundlage vorläufiger Experteneinschätzungen“ mit.

Die finnische Kriminalpolizei leitete am Dienstag eine Untersuchung ein. Auf die Frage, ob es einen Grund für den Verdacht einer Beteiligung Russlands gebe, wich Orpo aus. Das Wichtigste sei, dass die Sache ordentlich untersucht werde. Man lebe in unruhigen Zeiten, aber es gebe keinen Grund, sich Sorgen zu machen.

Balticconnector war Anfang 2020 in Betrieb genommen worden. Die rund 150 Kilometer lange Pipeline verläuft vom finnischen Inkoo über den finnischen Meerbusen bis ins estnische Paldiski. Der betroffene Offshore-Abschnitt im Meer ist gut 77 Kilometer lang. Sie ist deutlich kürzer als die Gasleitungen Nord Stream 1 und 2, die vor rund einem Jahr bei Sabotageakten in der Nähe der dänischen Ostsee-Insel Bornholm beschädigt wurden. Wer hinter den Nord-Stream-Anschlägen steckt, ist bis heute unklar.

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