Geldpolitik

Bundesbank-Präsident sieht Höhepunkt der Inflation überwunden

13.10.2023
Lesedauer: 2 Minuten
Bundesbank-Chef Nagel: »Wir haben den Höhepunkt der Inflation wohl überwunden« Foto: Metodi Popow / IMAGO

Das Schlimmste bei der Inflation ist wohl überstanden, glaubt Bundesbank-Chef Joachim Nagel. Doch die Notenbanken seien längst nicht am Ziel. Die deutsche Wirtschaft hält er für robuster, als manche Kritiker glauben.

Die Medizin der hohen Zinsen wirkt gegen die Inflation – das sagt jedenfalls Bundesbank-Präsident Joachim Nagel. »Wir haben den Höhepunkt der Inflation wohl überwunden«, sagte Nagel auf der Herbsttagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank in Marrakesch. Unsicherheit bestehe dagegen bei der Frage, wie schnell die Inflation nun sinken werde und wann sie beim Notenbank-Ziel von zwei Prozent ankomme. »Die zehn Zinserhöhungen, das ist aus Notenbanksicht der entscheidende Punkt, zeigen ihre Wirkung«, sagte er.

Es müsse geschaut werden, wie die Übertragung der Geldpolitik auf die Wirtschaft wirke, sagte Nagel weiter. Notenbanker sprechen dabei von »Transmission«. Die Arbeits- und Finanzmärkte hätten sich seit den letzten Zinserhöhungszyklen verändert. So gebe es nach wie vor eine hohe Überschussliquidität im Finanzsektor. »Aber insgesamt bin ich zufrieden, wie die Geldpolitik wirkt«, merkte Nagel an. Das sei aus Bundesbank-Sicht das Entscheidende. Zuletzt hatte die EZB vor der Euro-Schuldenkrise 2012 Zinsen erhöht.

Zur Konjunktur in Deutschland sagte Nagel: »Deutschland ist jetzt nicht der kranke Mann in Europa.« Die Wirtschaftsleistung dürfte im laufenden Jahr zwar sinken – die Auslandsnachfrage in der Industrie sei deutlich rückläufig, dem Bau machten die gestiegenen Finanzierungskosten zu schaffen und die privaten Haushalte hielten sich beim Verbrauch zurück. Aber die Arbeitsmarktlage sei weiterhin gut. »Wir sehen kräftige Lohnzuwächse«, sagte Nagel. Mit der rückläufigen Inflation werde auch der private Verbrauch wieder anziehen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat seit Sommer 2022 die Schlüsselzinsen um insgesamt 4,50 Prozentpunkte angehoben – zuletzt im September um einen viertel Prozentpunkt. Das war die zehnte Anhebung in Serie. Der am Finanzmarkt richtungsweisende Einlagensatz, den Geldhäuser für das Parken überschüssiger Gelder von der Notenbank erhalten, liegt damit inzwischen bei 4,00 Prozent. Das ist das höchste Niveau seit dem Start der Währungsunion 1999. Die nächste Zinssitzung der EZB ist am 26. Oktober. 

mic/Reuters

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