Gehaltscheck Öffentlicher Dienst vs. ÖRR

Wird im Rundfunk Berlin-Brandenburg zu viel verdient?

26.09.2023
Lesedauer: 3 Minuten
© dpa/Fabian Sommer

In der höchsten Gehaltsklasse verdient man beim RBB 11.241 Euro, im öffentlichen Dienst hingegen 7957 Euro. Auch in den Stufen darunter zeigen sich Unterschiede. Ist das gerecht?

Das wäre geschafft. Die amtierende Intendantin des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB), Ulrike Demmer, bezieht ein Jahresgehalt von 220.000 Euro. Vorgängerin Katrin Vernau bekam noch 295.000 Euro. Die Kürzung des Spitzengehalts hat im Wesentlichen zwei Gründe: öffentlicher Unmut über das Saus-und-Braus-Gebaren von „Sonnenkönigin“ Patricia Schlesinger und der daraus abgeleitete Wille von Politik und Aufsichtsgremien, bei den Gehältern in der Chefetage neue Obergrenzen einzuziehen.

Rechnungshöfe fordern Anpassung

Was da begonnen hat, soll an der RBB-Spitze nicht enden. Die Rechnungshöfe von Berlin und Brandenburg haben schon Mitte des Jahres dekretiert, dass „eine Vergütungsobergrenze nach und nach eine Anpassung der Gehaltsstrukturen nach sich ziehen muss“. Die Prüfer haben sich dabei in die Vorstellung verliebt, dass sich die Tarifverträge, die im RBB gelten, an den TL-V anpassen sollten, womit öffentlicher und öffentlich-rechtlicher Dienst gleichgesetzt wären.

Der Sender wehrt sich seit Jahr und Tag gegen diese Sichtweise. Die jeweiligen Aufgaben seien unvergleichbar, die Anforderungsprofile höchst unterschiedlich. Ein Kameramann leistet nun mal eine ganz eigene Arbeit, ein Finanzbeamter eine andere.

Welche Gehälter wo angemessen sind, lässt sich tatsächlich nur schwer feststellen. Was aber klar zutage liegt, sind die jeweiligen Gehaltsbäume, die beim öffentlichen und beim öffentlich-rechtlichen Dienst aufgewachsen sind.

In der RBB-Gehaltstabelle für die nach Tarif Beschäftigten gibt es die Stufen A (höchste) bis L (niedrigste). Dieser Kreis umfasst 2031 Frauen und Männer, dazu kommen noch 27 AT-Verträge. Jede Stufe besteht dann aus neun Einzelstufen. In der Gehaltsstufe L wird also monatlich zwischen 2292 und 3224 Euro verdient, eine Stufe höher gibt es zwischen 2484 und 3454 Euro, J bedeutet 2638 bis 3634 Euro. Nach den vom RBB zur Verfügung gestellten Unterlagen befindet sich in diesen drei Stufen kein Angestellter und keine Angestellte.

Im öffentlich-rechtlichen Sender wird erst ab Stufe H bezahlt. 13 Personen verdienen deshalb zwischen 2813 und 4086 Euro. In den nächsthöheren Stufen wachsen Personenzahlen und Verdienste deutlich an, bis die personell stärkste Gruppe erreicht ist: Stufe C mit 664 Frauen und Männern. C heißt Gehälter zwischen 5129 und 7592 Euro monatlich. In Stufe B (6042 bis 8944 Euro) finden sich 149 Angestellte, die A-Klasse (7596 bis 11.241 Euro) zählt 47 Mitglieder.

Bemerkenswert an diesen Zahlen ist dreierlei: Auf 50,6 Prozent Frauen kommen im RBB 49,4 Prozent Männer, wobei diese in den höheren Gehaltsstufen deutlich stärker vertreten sind. Ausnahme ist die A-Klasse: 55,3 Prozent Frauen, 44,7 Prozent Männer. Sieht man sich die Gehaltsstufen und -spannen an, dann darf der Rundfunk Berlin-Brandenburg als ein Arbeitgeber gelten, bei dem ordentliche bis sehr ordentliche Gelder bezahlt werden.

Dieser Eindruck verstärkt sich, wenn die Entgelttabelle TV-L 2023 des öffentlichen Dienstes in Berlin zum Vergleich herangezogen wird. Es gibt die Stufen E 1 bis E 15Ü, wobei jede Stufe wieder sechs weitere Stufen inkludiert. Die niedrigste Stufe E 1 bedeutet 2094 bis 2290 Euro. Die Gehälter steigen dann allmählich an. E 8 zum Beispiel liegt zwischen 2946 und 3634 Euro, E 13Ü bedeuten 4508 bis 6433 Euro. In der höchsten Stufe E 15Ü werden Gehälter zwischen 6122 und 7957 Euro genannt.

Es mag nun jeder für sich entscheiden, ob im öffentlich-rechtlichen RBB zu viel oder im öffentlichen Dienst zu wenig verdient wird. Oder gleichermaßen gerecht bezahlt wird.

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