Ampel-Koalition sorgt für Preis-Hammer: „Alle Verbraucher werden ab Dezember mehr zahlen müssen“

15.09.2023
Lesedauer: 4 Minuten

Schon bald könnten Getränke für die Verbraucher im Handel teurer werden. Verantwortlich dafür ist ein neues Gesetz der Ampel-Koalition.

München ‒ Als sorgten die hohen Lebensmittelpreise nicht bereits für ausreichend Unmut bei den Verbrauchern, nun sollen sich auch die Preise für Biere, Wasser und weitere Getränke im Einzelhandel verteuern. Schuld daran ist das Mautgesetz der Bundesregierung, welches laut Getränke-News.de für erheblich höhere Frachtkosten sorgt und damit ausnahmslos alle transportierten Wirtschaftsgüter teurer macht.

Bereits zu Beginn des Jahres klagte die Brauwirtschaft über die Inflation, den hohen Kostendruck bei Personal, Rohstoffen und Logistik und prognostizierte, dass der Kneipenpreis bis Ende des Jahres bei 7,50 Euro für einen halben Liter Bier liegt. Auch bei Wasser-Marken gibt es bereits deutliche Unterschiede im Liter-Preis, wie ein Mineralwasser-Check als Ergebnis ergab.

Preise steigen für Verbraucher: Schuld ist ein neues Gesetz

Was kommt da auf die Verbraucher wieder zu? Experten gehen laut dem Bericht davon aus, dass aufgrund der höheren Maut der Preis für einen Kasten Bier oder Mineralwasser um bis zu 50 Cent steigt. Bei einem Mineralwasser-Kasten könnten die Frachtkosten zukünftig über 20 Prozent, beim Preiseinstiegs-Wasser über 45 Prozent der Gesamtkosten ausmachen. Holger Eichele, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bunds, fordert daher von der Politik mehr Augenmaß. Die „verkappte Steuererhöhung“ treffe nicht nur die Logistikbranche, sondern auch Hersteller und Verbraucher, so Eichele gegenüber Getränke-News.de.

Ähnlich sieht es auch Markus Rütters, Chef der Deutschen Getränke Logistik (DGL). Auch er rechnet laut dem Branchenblatt mit einer Mautmehrbelastung von 67,15 Euro für eine Frachtsatz von 750 Euro für 500 Kilometer Entfernung. Das entspräche einem Kostenanstieg von neun Prozent.

Berufsverkehr, viele LKW fahren auf der Autobahn.
Preise für Getränke könnten bald steigen: Das neue Maut-Gesetz sorgt für Unmut. (Symbolbild). © Rupert Oberhäuser/imago

Das sehen die Gesetzesänderungen im Einzelnen vor:

  • Einführung eines CO₂-Aufschlags: Zum 1. Dezember 2023 wird für die Kosten verkehrsbedingter CO₂-Emissionen eine neue Mautkomponente („Mautteilsatz“) eingeführt. Diese besteht aus einem CO₂-Aufschlag in Höhe von 200 Euro pro Tonne CO₂. Damit setzen sich die Mautsätze künftig aus vier Kostenteilen zusammen: Kosten der Infrastruktur, der Luftverschmutzung, der Lärmbelastung und des CO₂-Ausstoßes.
  • Mautpflicht für Lkw mit mehr als 3,5 Tonnen: Zum 1. Juli 2024 wird die Mautpflicht auf Lkw mit mehr als 3,5 Tonnen tzGm (steht für: zulässige Gesamtmasse) ausgedehnt. Diese Lkw werden dann zwischen 15,1 Cent (Euro 6) und 24,8 Cent (Euro 1 und schlechter) pro Kilometer zahlen müssen. Handwerkerfahrzeuge unter 7,5 Tonnen tzGm sind von der Mautpflicht befreit.
  • Emissionsfreie Fahrzeuge: Bis zum 31. Dezember 2025 sind emissionsfreie Fahrzeuge von der Mautpflicht befreit. Ab dem 1. Januar 2026 zahlen sie einen um 75 Prozent reduzierten Mautteilsatz für die Kosten der Infrastruktur – zuzüglich der Mautteilsätze für Luftverschmutzung und Lärmbelastung.
  • Verlagerung des Verkehrs auf die Schiene: Die zusätzlichen Mauteinnahmen in Höhe von rund 30 Milliarden Euro bis 2027 sollen künftig ganz überwiegend in die Schiene investiert werden. 
  • Quelle: Die Bundesregierung zur Reform der LKS-Maut

Neues-Gesetz: LKW-Maut soll Anreize für einen Umstieg schaffen

Bundesverkehrsminister Volker Wissing will mit dem neuen Mautgesetz einen Anreiz schaffen, um auf klimafreundliche Lkw umzusteigen. Auf der Internetseite seines Ministeriums verkündet er: „Wir staffeln die Lkw-Maut unter anderem noch in diesem Jahr stärker nach dem CO₂-Ausstoß und setzen damit einen starken Anreiz für die Branche, auf klimafreundliche Fahrzeuge umzusteigen. Das ist wichtig, da Nutzfahrzeuge aktuell noch rund ein Drittel der gesamten CO₂-Emissionen im Verkehr verursachen. Den Markthochlauf klimafreundlicher Fahrzeuge brauchen wir, um unsere Klimaschutzziele zu erreichen.“

Mit diesen Einnahmen rechnet der Verkehrsminister:

  • Bei LKWs ab 7,5 Tonnen: Mehreinnahmen von 26,6 Milliarden Euro von 2024 bis 2027
  • Bei LKWs ab 3,5 Tonnen: Mehreinnahmen sollen sich von 2024 bis 2027 auf 3,9 Milliarden belaufen

Einen Inflationstreiber in dem neuen Gesetz sieht der Minister allerdings nicht. Die Transportkosten machen seiner Einschätzung nach nur einen geringen Anteil an den Gesamtkosten aus. Er legt dafür 0,1 Prozentpunkte zugrunde. Spürbare Auswirkungen auf das Verbraucherpreisniveau sind laut Volker Wissing demnach nicht zu erwarten.

Neues Mautgesetz: Kleine Spediteure rechnen mit Mehrkosten

Ein kleiner Spediteur wie beispielsweise Marc Jacobi aus Heilbronn zahlt derzeit nach eigenen Angaben jährliche Mautabgaben in Höhe von 62.400 Euro. Ab Dezember habe er dann pro Jahr rund 52.000 Euro an Mehrkosten. Für ihn steht schon jetzt fest: „Alle Verbraucher werden ab Dezember mehr zahlen müssen“, sagte er gegenüber Getraenke-News.de. Er denkt daher darüber nach, seinen Liefer-Radius zu verkleinern. Laut einem Bericht von Chip.de könnten vor allem kleinere Brauereien diesem Beispiel folgen. (sthe)

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