Tagesschau-Sprecher Constantin Schreiber (44) spricht fließend Arabisch, hat mehrere erfolgreiche Bücher über den Islam geschrieben – und will sich jetzt nicht mehr zum Islam äußern!
Auslöser für seine Entscheidung: Drohungen gegen den Moderator und seine Familie. Und aus seiner Sicht fehlender Rückhalt von Universität und Kollegen. „Da habe ich einfach gesagt, nee, das will ich nicht, ich will diese Negativität in meinem Leben nicht“, sagt Schreiber der „Zeit“.
Der Nachrichtensprecher: „Ich werde mich zu allem, was mit dem Islam auch nur im Entferntesten zu tun hat, nicht mehr äußern. Ich werde keine Bücher dazu schreiben, ich lehne Talkshow-Anfragen ab, ich mache das nicht mehr.“
So wurde Schreiber u. a. direkt vor seiner Haustür von einem Taxifahrer bedroht. Als dieser ihn zu Hause absetzte, sagte er laut dem Moderator: „Jetzt weiß ich, wo du wohnst!“
Für Aufsehen sorgte zuletzt eine Torten-Attacke gegen Schreiber: Am 29. August schmierte ein Mitglied der Gruppierung „Undogmatische Radikale Linke“ dem Tagesschau-Sprecher eine Torte ins Gesicht. Schreiber, der für die Moderation der deutsch-arabischen n-tv-Sendung „Marhaba – Ankommen in Deutschland“ 2016 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde, stellte in der Universität Jena sein neuestes Buch „Glück im Unglück: Wie ich trotz schlechter Nachrichten optimistisch bleibe“ vor.
Foto: X/URL Jena @urljena@fairmove.net
„Ein kindischer Akt“
Die Torten-Aktion nannte Schreiber einen „kindischen Akt und irgendwie auch ein Versuch, Aufmerksamkeit zu erregen“. Als besonders traurig empfand er, dass sich nach dem Angriff niemand von der Universität oder auch nicht der moderierende Journalistenkollege für ihn einsetzte. So soll die Uni bereits Tage vorher vom Protest gewusst haben – ohne dem Journalisten Bescheid gegeben zu haben. Auch unter Journalisten-Kollegen verspüre er eine Vorsicht, „wenn es um polarisierende Debatten geht“.
Schreiber: „Da mögen jetzt manche feiern und vielleicht die Schampusflaschen aufmachen. Ob das ein Gewinn ist für die Meinungsfreiheit und für den Journalismus, ist eine andere Frage.“



