Dresden baut mit viel Geld ein Hostel zum Flüchtlingsheim um – und räumt die berühmte Bronzeplastik eines Frauenaktes ab. Jetzt können 280 Männer unbeschwert einziehen.
DRESDEN. Bevor am Freitag die ersten 140 der insgesamt 280 Migranten in das All-Inclusive-Heim einziehen, hat die Stadt Dresden noch eine Frauen-Skulptur abgeräumt, die den neuen Bewohnern nicht gefallen könnte. Kürzlich verschwand der Bronze-Akt „Die Sinnende“ aus dem Bereich vor der neuen Asylunterkunft.
„Wir bringen hier ausschließlich Männer unter – aus Afghanistan, Syrien und Venezuela“, erklärte der Dresdener Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne). Man habe einfach Platz im Eingangsbereich schaffen wollen, begründete eine Sprecherin der Stadt die Bilderstürmerei. Die Stadt hat das Gebäude für 432.000 Euro im Jahr gemietet – für zehn Jahre.
Skulptur aus Stadtbild verschwunden
Die 47 Jahre alte Skulptur ist nun aus dem Stadtbild verschwunden und wurde vom Bürgersteig weggeräumt: „Die ‚Sinnende‘ hat ihren angestammten Platz vor der einstigen Cityherberge verlassen und sinnt jetzt im Innenhof des großen Bürokomplexes“, sagte sie der Bild.
Oberbürgermeister und damit verantwortlich für die Stadt ist Oberbürgermeister Dirk Hilbert von der FDP. Doch ausgerechnet dessen eigene Partei glaubt kein Wort der Begründung. Der Vorsitzende der Dresdener Stadtratsfraktion Holger Zastrow, sprach von einem „Fall von vorauseilender und falscher Rücksichtnahme.“
„Es geht um angenommene Befindlichkeiten“
Hier werde „Kunst aus dem öffentlichen Raum aufgrund von angenommenen Befindlichkeiten in den Hinterhof verbannt“, kritisierte Zastrow gegenüber der Bild: „Das geht so nicht. Ich fordere die Verwaltung auf, daß die Skulptur an ihren angestammten Platz zurückkehrt.“ Er kündigte Widerstand im Dresdner Stadtrat an.
Die 1976 aufgestellte Bronze-Plastik stammt von Bildhauer Horst Brühmann (1942-2014). Kopien befinden sich u.a. in der Bauhausstadt Dessau, in Halle-Neustadt und Berlin. (fh)



