Zu hohe Staatsschulden

Ratingagentur Fitch entzieht USA Bestnote

02.08.2023
Lesedauer: 3 Minuten
Bildquelle: tagesschau.de

Fitch hat die Spitzenbewertung der Kreditwürdigkeit der USA herabgestuft. Das könnte Auswirkungen auf die Neuverschuldung des Landes haben. US-Finanzministerin Yellen hält die Abstufung für willkürlich.

Die Ratingagentur Fitch hat die Bonitätsbewertungen der USA von der Spitzennote „AAA“ auf „AA+“ herabgestuft. Als Begründung verwies Fitch nach US-Börsenschluss unter anderem auf die Verschlechterung der Haushaltslage in den kommenden drei Jahren und die hohe Staatsverschuldung der Vereinigten Staaten. Fitch sei der Ansicht, dass sich die „Standards der Regierungsführung“ in den letzten 20 Jahren stetig verschlechtert hätten, auch in Bezug auf Steuer- und Schuldenfragen, teilte die Agentur weiter mit. Konkret benennt Fitch den seit „zwei Dekaden“ andauernden und sich wiederholenden Streit um die Schuldenobergrenze und darauf folgende „Last Minute“-Einigungen.

In diesem Frühjahr war das wochenlange Gezerre um die Anhebung der Schuldenobergrenze besonders ausgereizt worden. Erst nach wochenlanger Zitterpartie hatten die Demokraten von US-Präsident Joe Biden und die Republikaner einen Kompromiss erzielt. Ohne die Einigung wäre der US-Regierung das Geld ausgegangen. Ein Zahlungsausfall hätte eine globale Finanzkrise und einen wirtschaftlichen Abschwung auslösen können.

Yellen hält Herabstufung für „willkürlich“

Das Weiße Haus in Washington reagierte empört auf die Herabstufung. Pressesprecherin Karine Jean-Pierre nannte die Entscheidung der Ratingagentur „realitätsfern“. US-Finanzministerin Janet Yellen teilte in einem Presse-Statement mit, sie stimme überhaupt nicht mit der Entscheidung von Fitch überein. Sie nannte die Abstufung „willkürlich“, und sie basiere auf Grundlage veralteter Daten.

Fitch hatte erstmals im Mai die Möglichkeit einer Herabstufung angedeutet und diese Position auch nach der Einigung über die Schuldenobergrenze beibehalten. „Wiederholte politische Patt-Situationen bei der Schuldenobergrenze und Entscheidungen in letzter Minute haben das Vertrauen in die Haushaltsführung untergraben“, so die Agentur.

Erste Herabstufung nach zehn Jahren

Mit der Herabstufung ist Fitch nach S&P die zweite große Ratingagentur, die den USA ihr Triple-A-Rating entzieht. Und es ist die erste Herabstufung der USA von einer großen Ratingagentur in mehr als zehn Jahren. 2011 hatte die Agentur S&P das AAA-Rating des Landes herabgesetzt, weil die Schuldenobergrenze nicht eingehalten werden konnte.

Nach der Bekanntgabe gab der Dollar gegenüber einer Reihe von Währungen nach, Aktien-Futures fielen und Treasury-Futures legten zu. Mehrere Investoren und Analysten äußerten jedoch die Erwartung, dass sich die Auswirkungen der Herabstufung in Grenzen halten würden. Dennoch könnte die Luft für den amerikanischen Staat am Verschuldungsmarkt nun etwas dünner werden. Denn konservative Anleger meiden gern Papiere, die nicht das beste Rating haben.

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 02. August 2023 um 05:30 Uhr.

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