Verlagerung nach Asien und Nordamerika

Forscher warnen vor Kapitalabfluss aus Deutschland

27.06.2023
Lesedauer: 2 Minuten
Schild an der deutsch-tschechischen Grenze Foto: Arno Burgi/ dpa

Ausländische Milliardeninvestitionen wie für das Intel-Werk in Magdeburg sorgen für Schlagzeilen. Doch unter dem Strich verliert Deutschland laut einer Analyse Kapital – so stark wie kein anderes untersuchtes Land.

Die ausländischen Investitionen in Deutschland sinken – trotz der jüngsten Milliarden-Ankündigungen von Konzernen wie Intel oder Wolfspeed. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), über die das »Handelsblatt« berichtet. Demnach flossen im vergangenen Jahr 132 Milliarden US-Dollar mehr an Direktinvestitionen ab, als in Deutschland investiert wurden. Unter 46 untersuchten Staaten sei das der stärkste Abfluss.

»Die Zahlen sind als Warnsignal zu verstehen, dass der Standort an Attraktivität verliert: Demografie oder hohe Energiepreise setzen Deutschland zu«, wird IW-Ökonom Christian Rusche zitiert. »Viele Probleme sind aber hausgemacht.« Hohe Unternehmensteuern, bleierne Bürokratie und eine marode Infrastruktur hätten Deutschland immer unattraktiver gemacht.

Nachdem sich der Nettoabfluss an Kapital aus Deutschland zwischen 2014 und 2018 abgeschwächt hatte, nimmt er den Angaben zufolge seit 2019 wieder stark zu. Besonders dramatisch eingebrochen seien die Direktinvestitionen aus anderen europäischen Ländern: Diese sanken demnach im Vorjahr von 79 Milliarden auf nur noch 13 Milliarden Euro.

Abbau in Europa, Aufbau in Asien und Amerika

Laut einer Umfrage der Managementberatung Horváth unter deutschen Industriefirmen drohe sich die Investitionsflucht fortzusetzen, schreibt das »Handelsblatt«: Fast jedes dritte Unternehmen wolle in den nächsten fünf Jahren insbesondere aufgrund hoher Personalkosten Personalbestand in West- und Südeuropa abbauen und in Indien, Nordamerika und China aufbauen.

Ob der Abfluss von Direktinvestitionen von Dauer sein wird, sei jedoch noch nicht ausgemacht, wird der Konjunkturchef am RWI-Institut für Wirtschaftsforschung Essen, Torsten Schmidt, zitiert. Gerade die Zuflüsse bei den Investitionen folgten häufig mehrjährigen Zyklen – nach dem Abfall würden sie regelmäßig wieder raufgehen. Schmidt machte aber auch klar: Die Zuflüsse seien zuletzt schon »auffällig schwach« gewesen. 

dab/Reuters

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