Der US-Konzern Intel steht auf finanziell sicheren Beinen, ist mit 138 Milliarden Euro nahezu doppelt so viel wert wie VW. Trotzdem kassiert der Tech-Gigant von der Bundesregierung riesige Summen Förderung für seine neue Chip-Fabrik in Magdeburg.
Insgesamt fließen 9,9 Milliarden Euro aus dem Steuerzahler-Topf für das neue Werk. Heißt unterm Strich: Jeder einzelne Arbeitsplatz, den Intel vor Ort schaffen will, wird mit einer Million Euro subventioniert.
Eine Wahnsinns-Summe! Die Regierung von Kanzler Olaf Scholz (64, SPD) hatte die Finanzhilfe nach Verhandlungen sogar noch aufgestockt. Zunächst waren drei Milliarden Euro weniger vorgesehen.
Scholz jubelte: „Mit dieser Investition schließen wir technologisch zur Weltspitze auf.“ Außerdem könne Deutschland mit der Fabrik unabhängiger von Lieferbeziehungen zu Asien werden.
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Im Gegenzug nimmt Intel auch selbst mehr Geld als ursprünglich geplant in die Hand: Wegen gestiegener Bau- und Energiekosten rechnet der US-Konzern mit Investitionen von 30 statt ursprünglich 17 Milliarden Euro.
Außerdem sagte Intel jetzt zu, eine noch modernere Chip-Technologie zu produzieren, die für die neuesten Smartphones und Computer verwendet wird.
Kritik von Top-Ökonomen
Trotzdem gibt es an der Höhe des üppigen Zuschusses massive Kritik. „Absicherung ist primär Aufgabe der Unternehmen, nicht des Staates“, sagte der Chef des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest (54), gegenüber Reuters. Die geplante Fördersumme sei eine sehr hohe Versicherungsprämie.
Der Ifo-Chef weiter: „Darüber hinaus ist nicht klar, was eigentlich genau in Magdeburg produziert wird, ob es die Chips sind, die Deutschland oder Europa brauchen, und an wen diese Chips im Krisenfall geliefert werden.“
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Stefan Kooths (54), Vize-Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), kritisierte: „Das Geld wäre definitiv besser angelegt in Bildung als für solche Prestigeprojekte.“ Deutschland habe große Probleme, wie etwa die hohen Abbrecherquoten im Schulsystem zeigten.
Außerdem werde mit der hohen Förderung ein Signal der Schwäche in die Welt gesendet, so Kooths: „Wir zeigen, dass Intel nur kommt, wenn Standortnachteile durch Subventionen ausgeglichen werden.“
Der Ökonom bezweifelt auch, dass unterm Strich tatsächlich Tausende neue Jobs entstehen würden. „Ich halte das Arbeitsplatzargument für Augenwischerei.“ Intel ziehe zwar gut qualifizierte Beschäftigte an. Die aber wären wohl auch woanders untergekommen. „Intel wird kleineren Unternehmen Arbeitskräfte abjagen“, prophezeite Kooths.


