Millionen Paar Adidas-Schuhe verstauben in Lagern, seit der Konzern nicht mehr mit Rapper Kanye West kooperiert. Wohin damit? Vorstandschef Björn Gulden sagt: »Sie zu verbrennen, wäre nicht sinnvoll.«
Jahrelang sorgte die Zusammenarbeit mit Rapper Kanye »Ye« West beim Sportartikelhersteller Adidas für sprudelnde Gewinne. Als West immer mehr Hassbotschaften verbreitete, trennte sich der Konzern jedoch im vergangenen Herbst von dem Musiker. Aber: Auch ein halbes Jahr später sind noch Fragen offen. Zum Beispiel: Was passiert mit den Schuhen, die der Rapper für das Unternehmen designt hatte? Adidas erwägt nun offenbar, sie zu verkaufen.
Der neue Vorstandschef Björn Gulden kündigte vor Aktionären auf der Hauptversammlung an, der Konzern arbeite intensiv daran, eine Lösung für die noch vorhandenen Produkte aus der hochpreisigen Produktreihe Yeezy zu finden. »Sie zu verbrennen, wäre nicht sinnvoll«, sagte Gulden.
Denkbar erscheine ein Verkauf mit anschließendem Spenden der Erlöse an Betroffene der Äußerungen des Musikers. Für die Schuhe gebe es eine Nachfrage, und Kanye West habe immer noch viele Fans. Eine endgültige Entscheidung sei aber noch nicht getroffen.
Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters liegen Millionen »Yeezy«-Schuhe mit einem Verkaufswert von 1,2 Milliarden Euro auf Halde, die bereits produziert sind, deren Verkauf aber gestoppt wurde. Bei einem Verkauf der Ware stünden Kanye West die vereinbarten Provisionen zu.
DSW verweigert Entlastung des Vorstands
Der Verzicht auf die Zusammenarbeit mit dem US-Rapper nach dessen zum Teil antisemitischen Äußerungen kostet Adidas Umsätze in Höhe von bis zu 1,2 Milliarden Euro und Gewinne von bis zu 700 Millionen Euro. Die finanziell belastende Entscheidung sei richtig gewesen, sagte Ines Straubinger für die Deutsche Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW). Die DSW verweigerte wie weitere Aktionärsvertreter aber die Entlastung des Vorstands.

Foto: Seth Wenig / AP
Die Aktionäre kritisierten das Management auf der Hauptversammlung scharf. Dabei ging es vor allem um den Umgang mit Kanye West, aber auch um die Herkunft von Textilien im Adidas-Sortiment. Selbst Kinderarbeit sei nicht auszuschließen, hieß es.
Adidas erwartet für das laufende Jahr einen Rückgang des Umsatzes im hohen einstelligen Prozentbereich. 2022 hatte der Konzern mit der hohen Inflation und Problemen in China zu kämpfen. Dazu kam die Kündigung der Kooperation mit West. Der Gewinn aus dem fortgeführten Geschäft war daher von knapp 1,5 Milliarden auf 254 Millionen Euro eingebrochen.
Klagen in den USA
Investoren in den USA hatten Anfang Mai Klage gegen Adidas eingereicht. Der Vorwurf: Der Konzern habe schon seit Jahren von problematischen Verhaltensweisen des Rappers gewusst, die Kooperation aber erst im vergangenen Oktober beendet – und dabei keine ausreichenden Vorsichtsmaßnahmen getroffen, um finanzielle Verluste in Grenzen zu halten. Adidas wies die Vorwürfe zurück.
Auf der Hauptversammlung hieß es, die juristischen Auseinandersetzungen sowohl mit West selbst als auch mit den klagenden Aktionärinnen und Aktionären stünden noch ganz am Anfang. Adidas hat West vor einem Schiedsgericht auf Schadensersatz verklagt. Vorstandschef Gulden kündigte an, das kriselnde Unternehmen wieder auf Kurs bringen zu wollen.
kko/dpa/Reuters



