Bei den Schüssen in einem Gebäude der Zeugen Jehovas in Hamburg sind nach aktuellem Stand acht Menschen tödlich verletzt worden. Der Täter soll laut einem Bericht ehemaliges Mitglied der Gemeinde gewesen sein.
Bei den Schüssen in einem Gebäude der Zeugen Jehovas in Hamburg sind nach aktuellem Stand acht Menschen tödlich verletzt worden. Unter den Toten sei „offenbar auch der mutmaßliche Täter“, wie die Polizei Hamburg am Freitagmorgen auf ihrer Internetseite mitteilte.
Weitere Angaben hatte die Polizei zuvor nicht gemacht. „Im Moment laufen hier die Übergaben. Das ist alles im Fluss“, sagte ein Polizeisprecher dazu am Freitagmorgen in Hamburg. Details zu den Toten und Verletzten und zum Tathergang konnte er zunächst nicht nennen. Dazu gebe es noch keine weiteren Informationen. Innensenator Andy Grote (SPD) kündigte für den Mittag eine Pressekonferenz an, bei der Details zu der Tat und zum Stand der Ermittlungen bekanntgegeben werden sollen.
Während der Veranstaltung im Gebäude der Zeugen Jehovas waren am Donnerstagabend mehrere Menschen durch Schüsse getötet oder verletzt worden. Medienberichten zufolge starben sechs oder sieben Menschen, mindestens acht weitere seien verletzt worden. Der Täter ist möglicherweise tot, seine Tat stuft die Polizei nach Informationen aus Sicherheitskreisen als Amoklauf ein.
Wie der „Spiegel“ berichtet, soll es sich bei dem Täter um ein ehemaliges Mitglied der Gemeinde der Zeugen Jehovas handeln. Tatwaffe soll demnach eine Pistole gewesen sein. Es sei aber noch unklar, ob der mutmaßliche Täter die Waffe legal besessen hätte.
Am frühen Morgen sicherte die Polizei vor, hinter und in dem dreigeschossigen Gebäude weiter Spuren. Im Gebäude maßen die Ermittler den Tatort mit einem 3D-Scanner aus. Der Eingang war dabei mit einem Sichtschutz abgedeckt. Die weiträumigen Absperrungen waren am Morgen zunächst abgebaut und die Straße wieder freigegeben worden.


Gefahrenwarnung wieder aufgehoben
Zur genauen Zahl der Toten äußerte sich die Polizei zunächst nicht. „Es ist nach ersten Erkenntnissen so, dass mehrere Tote unter den Opfern zu beklagen sind“, sagte ein Polizeisprecher. Unter den Toten soll möglicherweise auch der Täter sein: „Es gibt Hinweise darauf, dass es der Täter sein könnte. Aber ob es wirklich der Täter gewesen ist, das ist noch unklar.“ Es gebe keinen Hinweis auf einen anderen oder einen flüchtigen Täter.
Nach aktuellem Sachstand gehen wir von einem Täter aus. Die polizeilichen Maßnahmen im Umfeld werden sukzessive eingestellt. Die Ermittlungen zu den Hintergründen der Tat dauern an. #GroßBorstel #schießerei #hh0903
— Polizei Hamburg (@PolizeiHamburg) March 10, 2023
Die Gefahrenwarnung rund um das Gotteshaus der Zeugen Jehovas ist wieder aufgehoben worden. Das teilte das Bundesamt für Bevölkerungsschutz am Freitag kurz nach 3 Uhr morgens auf seiner Webseite mit. Ein Polizeisprecher hatte bereits am Donnerstagabend dem Sender ntv gesagt, dass er mit einem zeitnahen Auslaufen der Warnung rechne. Nach derzeitigem Stand sei nicht damit zu rechnen, dass ein Täter flüchtig sei. Daher bestehe wohl im Umfeld keine Gefahr mehr.
Einem Polizeisprecher zufolge gingen gegen 21 Uhr vermehrt Notrufe bei der Polizei und Feuerwehr ein. Einsatzkräfte waren am Abend mit einem Großaufgebot vor Ort. Die Tat ereignete sich laut Polizei in einem Zentrum der Zeugen Jehovas. Vier Stunden nach den tödlichen Schüssen betrat schließlich die Spurensicherung in der Nacht den Tatort. Auch um 4.15 Uhr morgens waren sie am Freitag noch in dem dreistöckigen Gewerbegebäude unterwegs. Streifenwagen hatten den Tatort zuvor weiträumig abgesperrt. Beamte mit Maschinenpistolen sicherten den Bereich zusätzlich ab.
Eine Nachbarin berichtete von mehreren Schüssen bei der Veranstaltung der Zeugen Jehovas. „Es waren ungefähr vier Schussperioden. In diesen Perioden fielen immer mehrere Schüsse, etwa im Abstand von 20 Sekunden bis einer Minute“, berichtete Studentin Lara Bauch. Später seien Menschen von Polizisten an Händen und Füßen auf die Straße getragen worden.
Die Polizei richtete ein Hinweisportal ein. Auf dieser Webseite könnten „Fotos und Videos zur Tat oder relevanten Ereignissen in diesem Zusammenhang hochgeladen werden“, teilte die Polizei Hamburg auf Twitter mit.
Scholz und Faeser drücken Mitgefühl aus
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sprach den Angehörigen am Freitagmorgen sein Mitgefühl aus. „Schlimme Nachrichten aus #Hamburg. Mehrere Mitglieder einer Jehova-Gemeinde sind gestern Abend einer brutalen Gewalttat zum Opfer gefallen“, postete er am Freitagmorgen über den Regierungsaccount auf Twitter. „Meine Gedanken sind bei ihnen und ihren Angehörigen. Und bei den Sicherheitskräften, die einen schweren Einsatz hinter sich haben.“ Auch Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) zeigte sich „erschüttert“ über die Tat im Hamburger Stadtteil Alsterdorf. Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) schrieb bei Twitter: „Den Angehörigen der Opfer gilt mein tiefes Mitgefühl.“
Auch die Zeugen Jehovas haben sich „tief betroffen von der schrecklichen Amoktat“ auf ihr Gotteshaus in Hamburg geäußert. „Unser tiefes Mitgefühl gilt den Familien der Opfer sowie den traumatisierten Augenzeugen“, erklärte die Religionsgemeinschaft in der Nacht zum Freitag. „Die Seelsorger der örtlichen Gemeinde tun ihr Bestes, ihnen in dieser schweren Stunde Beistand zu leisten.“ Die Gemeinschaft gab an, die Bluttat habe sich „nach einem Gottesdienst“ ereignet.
Die Zeugen Jehovas sind eine christliche Gemeinschaft mit eigener Bibel-Auslegung. Die Anhänger glauben an Jehova als „allmächtigen Gott und Schöpfer“ und sollen sich strengen Vorschriften unterwerfen. Sie sind davon überzeugt, dass eine neue Welt bevorsteht und sie als auserwählte Gemeinde gerettet werden. Weltweit haben die Zeugen Jehovas etwa acht Millionen Mitglieder. Die „Weltzentrale“ ist in New York. Die deutsche Gemeinschaft mit weniger als 200.000 Mitgliedern gehört zu den größten in Europa.
Quelle: dpa/AFP/vana./pasc.


