Eigene Wette, Voting-Aufruf, Millionen-Reichweite

So tricksten Klima-Aktivisten „Wetten, dass..?“ aus

21.11.2022
Lesedauer: 4 Minuten
Reiß während der Wette mit Michelle Hunziker, Thomas Gottschalk sowie den Wett-Patinnen Giulia Gwinn und Alexandra Popp (v. l.) Foto: picture alliance/dpa

„Wetten, dass..?“ war eine launige Show. Bis ein Klima-Aktivist für einen TV-Aufreger sorgte.

Marten Reiß (41) gewann mit seiner Fingerabdruck-Wette 50 000 Euro Siegprämie – aus den Rundfunkgebühren. Diese will er zur Rettung von Lützerath spenden. Den NRW-Ort will Energieversorger RWE abreißen, um dort Kohle abzubauen.

Vor Beginn seiner Wette durfte Reiß sein Ansinnen im Gespräch mit Michelle Hunziker (45) verkünden. Als einziger Kandidat der Sendung. Warum, ist unklar. Ein ZDF-Sprecher zu BILD: „Das war nicht geplant.“

Danach skandierten mehrere Aktivisten lautstark im Saal „Lützi bleibt“ und hielten Plakate in die Höhe. Thomas Gottschalk (72) wusste nach BILD-Informationen nichts von dem Hintergrund seines Kandidaten.

Aktivist Reiß gewann nicht nur seine Wette, sondern wurde am Ende auch Wettkönig
Aktivist Reiß gewann nicht nur seine Wette, sondern wurde am Ende auch Wettkönig
Foto: picture alliance/dpa

Die ZDF-Redaktion ist den Aktivisten offenbar auf den Leim gegangen. Der Auftritt scheint eine geplante Aktion gewesen zu sein. So rief die Initiative „Lützerath bleibt!“ in den sozialen Medien dazu auf, für Reiß anzurufen. Ergebnis: Der Aktivist gewann mit 52 Prozent der Stimmen.

Das feierten die Klima-Aktivisten. Stolz veröffentlichten sie ein Foto bei Twitter. Darauf: Reiß mit einem Begleiter und Gottschalk – hinter einem politischen Plakat für Lützerath.

Nach „Wetten, dass ..?“ posierten Wettkönig und Klima-Aktivist Marten Reiß (l.) und ein Begleiter (r.) mit Show-Titan Thomas Gottschalk hinter einem Plakat für Lützerath
Nach „Wetten, dass..?“ posierten Wettkönig und Klima-Aktivist Marten Reiß (l.) und Eckard Heukamp (r.), der letzte Garzweiler-Bauer, mit Show-Titan Thomas Gottschalk hinter einem Plakat für Lützerath
Foto: parents4future/Twitter

Wer sich da genau im Sommer beworben hat, war dem Sender scheinbar unklar. Denn: „Die Kandidaten geben im Vorfeld allgemeine Auskünfte über sich ab.“ Eine Überprüfung scheint ausgeblieben zu sein.

Nach dem Wett-Sieg pesteten die Aktivisten gegen den Quoten-Hit (10,1 Mio. Zuschauer): „Das war eine unerträgliche Sendung voll von sexistischem Getatsche Gottschalks zur Bespaßung der #Verdrängungsgesellschaft. Wenn ihr uns die Sendezeit nicht gebt, dann nehmen wir sie uns!“

Und: „50 000 Euro für den Widerstand gegen das rassistische, neokoloniale, kapitalistische System.“

Was sagt Gottschalk dazu? Er zu BILD: „Ich mache das für die zehn Millionen Menschen, die zuschauen. Wer sich von mir genervt fühlt, hat heute mehr Alternativen auf seiner Fernbedienung als jemals zuvor.“

Die Wette begeisterte

Wettkönig Marten Reiß (41) erkannte unter 1000 Fingerabdrücken drei Mal einen einzigen, der ausgetauscht worden war.

Gottschalk tauscht einen Fingerabdruck aus
Gottschalk tauscht einen Fingerabdruck aus
Foto: picture alliance/dpa

In der Show erklärte der 3D-Designer dies mit seinem „Kreuzblick“. Bei dieser Technik werden zwei Bilder nebeneinander angeordnet. Auf der linken Seite das Bild für das rechte Auge, auf der rechten Seite das Bild für das linke Auge. Nun muss man so gekonnt schielen, dass die beiden Bilder sich überlagern.

Bei Reiß stach nach seinen Worten so der gesuchte Fingerabdruck hervor.

Darum geht es in Lützerath

Ein breites Bündnis protestiert gegen den Abriss des Dorfes Lützerath (NRW): Neben den früheren Bewohnern, dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) oder der katholischen Kirche beteiligen sich auch linke Klima-Extremisten an den Protesten.

Bei einer Kundgebung am vergangenen Wochenende liefen Vermummte in einem schwarzen Block mit.

Klima-Aktivisten protestieren bei Lützerath
Klima-Aktivisten protestieren bei Lützerath
Foto: David Young/dpa

Die Bewohner haben das Dorf längst verlassen, jetzt wohnen laut Polizei etwa 100 Besetzer dort. Ähnlich wie im lange umkämpften Hambacher Forst bauen die Besetzer in Lützerath Baumhäuser, zudem sollen verbliebene Häuser mit Stahlträgern verstärkt worden sein, um den Abriss zu erschweren.

Die Befürchtung der Polizei: Von den 50 000 Euro Gewinn bei „Wetten, dass .?“ könnte das Dorf weiter zur Festung ausgebaut werden.

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