In der deutschen Industrie herrscht laut einer Umfrage Alarmstimmung. Etliche Firmen erwägen demnach, ihre Produktion zu drosseln – oder sogar ins Ausland zu verlagern. Kann die Gaspreisbremse das verhindern?
Etliche Industriebetriebe wollen wegen der Energiekrise schwerwiegende Konsequenzen ziehen: 17 Prozent wollen ihre Produktion wegen der hohen Energiepreise drosseln. Acht Prozent wollen die Produktion aufgrund der gestiegenen Kosten sogar verlagern. Das geht aus einer neuen Konjunkturumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) hervor. »Die Lage unserer Wirtschaft ist dramatisch«, sagt DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben.
Besonders trist ist die Lage laut DIHK-Umfrage in der Automobilbranche. Die Energiekosten seien hier so drückend, dass bereits 16 Prozent der Automobilhersteller ihre Produktion reduziert hätten und 17 Prozent ihre Produktion verlagern wollten. 43 Prozent der Autobauer bezeichnen ihre Finanzlage mittlerweile als problematisch, bei den Zulieferern sind es 49 Prozent.
Die Bundesregierung hat den Betrieben Hilfe versprochen. Sie will einer Deindustrialisierung mit der sogenannten Gaspreisbremse vorbeugen. Rund 25.000 Industrieunternehmen sollen laut den Vorschlägen einer Expertenkommission ab 1. Januar ein Kontingent an subventionierten Kilowattstunden Gas erhalten – wenn sie im Gegenzug den Standorterhalt sichern. Auch bei den Strompreisen sind gedeckelte Preise im Gespräch.
Schon jetzt ist der Gasverbrauch in Deutschlands Industrie einer Studie zufolge deutlich gesunken. Die Betriebe hätten ihn im September 2022 Temperatur-bereinigt um 19 Prozent reduziert, heißt es in einer Untersuchung der Hertie School. Die Forscher verwenden nach eigenen Angaben ein Modell, mit dem gezeigt werden kann, wie der aktuelle Gasverbrauch vom erwartbaren Standardverbrauch für den jeweiligen Monat abweicht.
Die Industrie hatte den Angaben zufolge bereits vor einem Jahr Gas eingespart. Das Tempo hat sich zuletzt aber deutlich erhöht. In absoluten Zahlen entspricht die Einsparmenge im September sechs Terawattstunden. Weitere Einsparungen seien wahrscheinlich, schreiben die Forscher.
ssu/Reuters



