Tom Buhrow will nach der Affäre um die zurückgetretene RBB-Intendantin Schlesinger die Aufsicht über alle Sender stärken. Die Krise berühre die gesamte ARD.
Die ARD will sich angesichts der Affäre um die zurückgetretene RBB-Intendantin und ARD-Chefin Patricia Schlesinger für eine Stärkung der Aufsicht aller Sender einsetzen. WDR-Intendant Tom Buhrow, der die Geschäfte an der ARD-Spitze übernommen hat, sagte im Interview der Deutschen Presse-Agentur: »Wir überprüfen, ob überall in der ARD die Geschäftsstellen der Aufsicht adäquat ausgestattet sind.«
Buhrow sagte zudem auf die Frage, wie groß der Ansehensverlust für die ARD und den gesamten öffentlich-rechtlichen Rundfunk durch die Schlesinger-Affäre ist: »Das ist noch nicht endgültig absehbar, aber ich rede da nicht drumherum: Diese Krise berührt auch die ARD – der RBB ist schließlich ein Mitglied der ARD.« Der ARD-Chef ergänzte: »Deshalb ist es jetzt meine Aufgabe, dass wir in der ARD die Schlussfolgerungen analysieren und angehen.« Buhrow sagte außerdem: »Wir sind alle in der ARD inzwischen enttäuscht und auch wütend. Weil alle Sender unter Generalverdacht gekommen sind und auch Tausende Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die jeden Tag gute Arbeit machen – inklusive der RBB-Mitarbeiter, die jetzt die journalistische Ehre des RBB hochhalten.«
»Jeder investierte Cent in effektivere Aufsichtsgremien ist ein gut investierter Cent.«
Das Kernthema für die Zukunft sei die Frage von Aufsicht und Operative. Man könne nicht selbst als Intendant entscheiden, wie man beaufsichtigt werde. »Die Aufsicht braucht aber eine gute personelle Ausstattung, das heißt: unabhängige Geschäftsstellen. Das sieht in der ARD sehr unterschiedlich aus.«
Der WDR zum Beispiel habe sehr gut ausgestattete Geschäftsstellen. Er habe sogar eine für den Verwaltungsrat und eine für den Rundfunkrat. »Die arbeiten unabhängig den Aufsichtspersonen zu, damit diese ihre Kontrollfunktion gut wahrnehmen können.«
Deshalb gelte die Maxime: »Jeder investierte Cent in effektivere Aufsichtsgremien des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist ein gut investierter Cent. Aufsicht ist oft unbequem. Sie ist anstrengend. Aber sie macht es sicherer für uns alle, weil kritische Fragen alle schon vorher gestellt werden.«
Gegen Patricia Schlesinger werden seit Wochen zahlreiche Vorwürfe der Vetternwirtschaft erhoben. Im Zentrum steht neben der 61-Jährigen, die als ARD- und RBB-Chefin in der Affäre zurückgetreten ist, auch der ebenfalls zurückgetretene Chefkontrolleur der Sendeanstalt, Wolf-Dieter Wolf. Zudem geht es um fragwürdige Aufträge für Schlesingers Ehemann bei der Messe Berlin, wo der Chefkontrolleur ebenfalls bis zu seinem dortigen Rücktritt Aufsichtsratschef war.
Es steht die Frage im Raum, ob Schlesinger mit Wolf einen zu laxen Umgang bei möglichen Interessenkonflikten gepflegt haben könnte. Die Generalstaatsanwaltschaft Berlin ermittelt inzwischen gegen Schlesinger, ihren Ehemann, den Ex-SPIEGEL-Redakteur Gerhard Spörl, und Wolf wegen des Anfangsverdachts der Untreue und Vorteilsannahme.
mik/dpa-AFX




