Der Wirkstoff Glyphosat findet sich in Pflanzenschutzmitteln. Er steht im Verdacht, Krebs zu erregen. Der deutsche Wikipedia-Artikel dazu ist eine Verharmlosung. An der hat ein Autor großen Anteil. Was sind die Hintergründe?
Vor wenigen Monaten haben Wissenschaftler des Instituts für Biochemie und molekulare Biologie der Universität Ulm herausgefunden: Kaulquappen des südafrikanischen Krallenfroschs, die in einer Lösung mit glyphosathaltigem Pflanzenschutzmittel aufwachsen, erleiden „massive Fehlbildungen“. Nicht nur sind die Embryonen kleiner, auch die Herzfunktion ist beeinträchtigt, und es treten abnorme Effekte an Augen, Schädel und Gehirn auf. Die Forschung der Universität sollte wenig später auch Eingang finden in den Wikipedia-Eintrag zu Glyphosat. Zwei Mal versuchte ein Autor, einen entsprechenden Absatz einzufügen, jeweils belegt mit einem Link zur Publikation der Universität Ulm. Vergeblich. Und diese Studie ist nicht die einzige Information über Glyphosat, die der Artikel verschweigt oder schönt.
„Hat Monsanto auch Wikipediaschreiber beauftragt?“
„Was für ein schlechter Wikipediaeintrag. Hat Monsanto auch Wikipediaschreiber beauftragt Glyphosat auf Wikipedia schön zu schreiben?“, fragte ein User auf der Diskussionsseite des Artikels. Der Artikel sei „hauptsächlich auf einem Peer-Review von Monsanto-Mitarbeitern“ aufgebaut, spöttelte ein anderer. Der Autor „Taraxum“ vermerkte, die „Objektivität ist mehr als zweifelhaft“. Der Artikel sei ihm „sehr einseitig“ vorgekommen. „Man könnte meinen, Monsanto hat gleich mehrere Mitarbeiter angestellt, die mit aller Macht die Aufnahme kritischer, durch Quellen belegter Artikel verhindern sollen!“ Gerade bei einem kontrovers diskutierten Thema müssten beide Seiten dargestellt werden. Wikipedia-Administrator „Leyo“ entfernte den Kommentar mit der Begründung, dieser sei eine „Provokation“.




