Strafmaßnahmen gegen Putin-Freunde

Russlandforscherin nennt britische Sanktionen gegen Oligarchen einen »Witz«

23.02.2022
Lesedauer: 2 Minuten
Demonstrantin in Berlin: Gasversorgung ohne Russland als Herausforderung Foto: Achille Abboud / imago images/Achille Abboud

Großbritannien sanktioniert wegen der Eskalation in der Ukraine russische Superreiche – und friert Vermögen ein. Doch das reicht laut einer Russlandkennerin nicht.

Die Wissenschaftlerin Elisabeth Schimpfössl hat sich intensiv mit dem russischen Geldadel befasst. Das, was die britische Regierung nun angesichts der russischen Invasion in der Ukraine gegen die Oligarchen unternehmen will, hält Schimpfössl, die an der London School of Economics forscht und lehrt, aber für nicht zielführend.

Die drei von der britischen Regierung mit Sanktionen nun ins Visier genommenen Putin-Verbündeten seien in Großbritannien nur wenig aktiv, sagte Schimpfössl, die den Einfluss reicher Russen im Vereinigten Königreich analysiert. »Das ist ein Witz. Das signalisiert den Oligarchen hier, dass nichts passiert, und dass das Lobbying der letzten Tage geglückt ist.«

Premierminister Boris Johnson hatte am Dienstag angekündigt, Sanktionen gegen fünf russische Banken und drei extrem reiche russische Staatsbürger zu verhängen. Bei den sanktionierten Oligarchen handelt es sich um Gennadi Timtschenko sowie Boris Rotenberg und dessen Neffen Igor. Alle drei Geschäftsleute gelten als enge Verbündete von Russlands Präsident Wladimir Putin. Ihre und die Aktivitäten anderer russischer Superreicher in London und in anderen Teilen Großbritanniens werden schon seit Langem von Parlamentariern, Journalisten und Experten mit Sorge betrachtet. Die Geschäftsbeziehungen der Oligarchen reichen bis in die höchsten Kreise von Politik und Gesellschaft.

Zu ähnlichen Schritten wie Großbritannien greifen unter anderem auch die EU und die USA. Die neuen EU-Sanktionen sehen unter anderem vor, jene 351 Abgeordnete des russischen Parlaments auf die Sanktionsliste zu setzen, die für die Anerkennung der selbst ernannten Volksrepubliken Luhansk und Donezk gestimmt haben. Hinzu kommen Strafen gegen 27 weitere Personen und Organisationen. Der Zugang des russischen Staates zu den EU-Finanzmärkten soll beschnitten und der Handel der EU mit den abtrünnigen Regionen beschränkt werden. Die US-Regierung kündigte Sanktionen gegen zwei große russische Banken, gegen den Handel mit russischen Staatsanleihen und gegen Unterstützer Putins und deren Familien an.

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