Mehr Behandlungen in Pandemie

Während Corona mehr Berliner Jugendliche mit Depressionen

23.02.2022
Lesedauer: 3 Minuten
Ein verzweifelter Jugendlicher in der Corona-Pandemie (Symbolfoto)Foto: picture alliance / Roland Mühla

Während der Corona-Pandemie ist die Zahl der neu an Depressionen erkrankten Jugendlichen zwischen 15 und 17 in Berlin nach Krankenkassen-Zahlen deutlich gestiegen.

Im ersten Pandemiejahr 2020 sind in der Hauptstadt bei den 15- bis 17-Jährigen über 17 Prozent mehr als im Vorjahr erstmals mit einer Depression behandelt worden.

Das geht aus einer Auswertung der Krankenkasse DAK-Gesundheit hervor, die am Mittwochvormittag veröffentlicht werden soll. Bei den Fünf- bis Neunjährigen blieben die Zahlen konstant, bei den Zehn- bis 14-Jährigen gab es demnach hingegen einen leichten Rückgang.

Die Zahl der Depressionen bei Jugendlichen ist gestiegen (Foto: picture alliance / Bildagentur-o)
Die Zahl der Depressionen bei Jugendlichen ist gestiegen (Foto: picture alliance / Bildagentur-o)

Der „Kinder- und Jugendreport“ der DAK basiert den Angaben zufolge auf Abrechnungsdaten von mehr als 41.000 Kindern und Jugendlichen im Alter bis 17 Jahren, die bei der DAK-Gesundheit in Berlin versichert sind. Analysiert wurden demnach die Jahre 2019 und 2020. Der Report basiere damit auf Daten von etwa sieben Prozent aller Kinder und Jugendlichen in der Hauptstadt und sei hinsichtlich der Alters- und Geschlechtsverteilung repräsentativ.

Zunahme der Depressionen – „Das überrascht mich gar nicht“

„Das überrascht mich gar nicht“, sagte Julia Asbrand, Kinder- und Jugendpsychologin an der Humboldt-Universität zu Berlin mit Blick auf die Zunahme der Depressionen bei Jugendlichen. In ihrem Berufsalltag erlebe sie einen Anstieg der psychischen Erkrankungen bei jungen Menschen.

„Da ist ein erhöhter Bedarf in den letzten Jahren, der ständig ansteigt“, erklärte sie der Deutschen Presse-Agentur. Dies nur auf Corona zu beziehen, halte sie für zu kurz gedacht. „Es gibt viele Themen, die die Jugendlichen stark umtreiben, die Klimakrise beispielsweise oder globale politische Konflikte.“

Tatsächlich, so Asbrand, halte sie die Dunkelziffer bei psychischen Erkrankungen für hoch – auch, weil die Stigmatisierung immer noch ein „ganz großes Problem“ in Deutschland sei. Die Expertin forderte mehr niedrigschwellige Angebote besonders in den Schulen – etwa den verstärkten Einsatz von Schulsozialarbeit und Schulpsychologen. „Da ist noch Luft nach oben, wir müssen ganz viel Aufklärung betreiben.“

Den DAK-Daten zufolge ist 2020 in Berlin zudem der Anteil der 15- bis 17-Jährigen, die wegen Alkoholmissbrauchs in ärztlicher Behandlung waren, um zwölf Prozent gestiegen. Bundesweit zeigte sich ein entgegengesetzter Trend.

Ärztlich behandelter Cannabis-Missbrauch in dieser Altersgruppe nahm sogar um fünfzig Prozent zu. Bei Adipositas-Erkrankungen war den Daten zufolge bei Kindern zwischen fünf und neun Jahren ein merkliches Plus von 21 Prozent zu verzeichnen.

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