Tödliche Schüsse im Hörsaal

Amokläufer an Heidelberger Universität kündigte Tat kurz zuvor an

25.01.2022
Lesedauer: 4 Minuten
Amoklauf in Heidelberg: Polizeibeamte untersuchen eine Waffe am Gelände der Universität.FOTO: DPA/SEBASTIAN GOLLNOW

Ein 18-Jähriger erschießt an der Uni Heidelberg eine Studentin und verletzt drei weitere Menschen. Dann tötet er sich selbst. Sein Motiv ist noch unklar.

Schock in Heidelberg: Ein 18-jähriger Student hat Montagmittag in der Universität um sich geschossen und eine 23-jährige Studentin getötet sowie drei weitere junge Menschen verletzt. Die Frau erlitt einen Kopfschuss und starb Stunden später im Krankenhaus.

Der Täter kam gegen 12.20 Uhr in einen Hörsaal, er hatte zwei Gewehre bei sich und feuerte auf Studenten und Studentinnen. Dann flüchtete er in den Außenbereich der Universität im Ortsteil Neuenheimer Feld und tötete sich selbst.

Das Motiv für den Amoklauf ist noch unklar. Der Täter habe unmittelbar vor den Schüssen bei WhatsApp geschrieben, „dass Leute jetzt bestraft werden müssen“, sagte der Polizeipräsident von Mannheim, Siegfried Kollmar, am Abend in einer Pressekonferenz in Heidelberg. Die Echtheit der Nachricht müsse noch geprüft werden. Außerdem habe der Täter mitgeteilt, er möchte nicht auf einem Friedhof beerdigt werden, er möchte eine Seebestattung.

Die Polizei war mit mehr als 400 Beamten, darunter einem Spezialeinsatzkommando, zum Tatort geeilt. Über dem Unigelände kreiste ein Hubschrauber. Zunächst wurde vermutet, es gebe einen zweiten Täter. Die Studierenden, die im Hörsaal die Schüsse erleben mussten, berichteten jedoch von einem Täter mit zwei Waffen.

Der Amokläufer hatte nach Angaben der Polizei noch mehr als 100 Schuss Munition dabei. Warum er mit dem Schießen aufgehört habe, wisse man noch nicht. Das sei spekulativ, es könne aber nicht ausgeschlossen werden, dass eine bestimmte Person getroffen werden sollte. Der 18-Jährige hätte noch nachladen können.

Polizeibeamte sichern Spuren am Gelände des Botanischen Gartens der Heidelberger Universität.
Polizeibeamte sichern Spuren am Gelände des Botanischen Gartens der Heidelberger Universität.FOTO: DPA/UWE ANSPACH

Weil bei der Leiche des jungen Mannes ein Rucksack mit unbekanntem Inhalt gewesen sei, habe die Polizei lange nicht zu dem Toten gekonnt. Es hätte sich um Sprengstoff handeln können, erklärte Kollmar. Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg habe daher auch Entschärfer geschickt, die den Rucksack untersuchten.

Es habe sich um eine Doppelflinte und ein Repetiergewehr gehandelt, sagte Kollmar. Die Waffen habe der aus Mannheim stammende Täter vor kurzem im Ausland käuflich erworben. Es gebe Kaufbelege, sagte der Präsident des Mannheimer Polizeipräsidiums, Siegfried Kollmar, am Montagabend.

Fahrzeuge der Polizei stehen am Gelände der Heidelberger Universität.
Fahrzeuge der Polizei stehen am Gelände der Heidelberger Universität.FOTO: DPA/R.PRIEBE//PR-VIDEO

Zu klären sei nun, wer jemandem ohne Waffenschein eine Waffe verkaufe. Um den Verkäufer nicht vorzuwarnen, nannten die Ermittler das Land, in dem die Waffen gekauft wurden, nicht. Der 18 Jahre alte Amokläufer sei bisher nicht polizeilich erfasst. Er habe auch keinen Führerschein gehabt. „Das ist schon sehr außergewöhnlich, diese Sachlage“, sagte der Polizeipräsident.

Sicherheitskreise sagten, bei der Tat sei kein politischer oder religiöser Hintergrund zu vermuten. Der Täter soll laut Staatsanwaltschaft keine Vorstrafen haben. „Wir werden sein Umfeld jetzt durchleuchten in den nächsten Tagen, mit Hochdruck.“ Die Ermittler wollen alle Aufenthaltsorte und Gesprächspartner des jungen Mannes der vergangenen Tage überprüfen.

Studierende zeigten sich nach der Tat fassungslos. „Wir sind unendlich schockiert. Das ist eine Katastrophe, die sich allem Denkbaren zwischen Vorlesungen, Klausuren und Unileben entzieht“, sagte Peter Abelmann, Vorsitzender der Verfassten Studierendenschaft, am Montag.

Die Nachricht über den Amoklauf habe sich unter den Studierenden wie ein Lauffeuer verbreitet, sagte Abelmann. Einige hätten über Messenger-Dienste direkt über die Tat berichtet. Die Studierendenschaft sei in Gedanken bei den Betroffenen.

Heidelbergs Oberbürgermeister Eckart Würzner (parteilos) schrieb bei Facebook, „der heutige Tag ist ein fürchterlicher für uns alle“. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sagte, „es zerreißt mir das Herz, solch eine Nachricht zu erfahren“.

Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) sagte bei der Pressekonferenz in Heidelberg, „wir sind noch im ersten Monat des Jahres 2022 und schon müssen wir eine schreckliche Gewalttat mit zwei Toten beklagen“. Polizeipräsident Kollmar klagte über Falschmeldungen in den sozialen Medien. Dort seien Leute als Täter genannt worden, die nichts mit dem Geschehen zu tun hatten. Es sei „extrem schwierig, dagegenzuhalten“, sagte Kollmar. (mit Agenturen)

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