Der Druck auf den britischen Premierminister in den eigenen Reihen wächst. Bei einer Aussprache im britischen Parlament kündigte Johnson nun weitreichende Lockerungen an.
Der britische Premierminister Boris Johnson steht nach dem Skandal um Lockdownpartys stark unter Druck. Eine Aussprache im Parlament nutze er nun, um weitreichende Lockerungen der Corona-Maßnahmen anzukündigen. In England gelte ab Donnerstag nächster Woche keine Maskenpflicht mehr, auch Homeoffice sei dann nicht mehr nötig, sagte Johnson. Experten gingen davon aus, dass der Höhepunkt der Omikron-Welle im Land überschritten sei. Die Bevölkerung habe sich gut verhalten, zudem laufe die Boosterkampagne. Er gehe davon aus, dass die Regeln zur Selbstisolierung bei Infektionen zwar wie geplant noch bis März in Kraft blieben, dann aber ausliefen.
Bereits im Juli hatte Johnson einen Freedom Day und die Aufhebung beinahe aller Schutzmaßnahmen verkündet. Ab Herbst brachte neue Coronawelle die Kliniken an den Rand des Zusammenbruchs. Zwar seien die Krankenhäuser in Nordengland weiterhin stark belastet, aber in anderen Teilen Englands habe sich die Zahl der Krankenhauseinweisungen und Intensivpatienten stabilisiert oder gehe zurück, sagte Johnson. Erlaubt sei daher auch wieder der Zugang zu Großveranstaltungen ohne Corona-Pass. Die Maskenpflicht an Schulen werde zudem sofort gestrichen. Schottland und Wales kündigten ebenfalls Lockerungen an.
Derweil schlägt Johnson immer mehr Gegenwind aus den eigenen Reihen entgegen. In einer turbulenten Debatte im Parlament forderte der frühere Brexit-Minister David Davis ihn zum Rücktritt auf: „In Gottes Namen, geh!“ Er habe Johnson wochenlang für seine Verdienste beim Brexit und in der Corona-Krise verteidigt. Er erwarte aber auch, dass Regierungsmitglieder die Verantwortung für ihre Taten übernähmen.
Der Regierungschef ist seit Wochen wegen diverser Skandale angeschlagen, darunter Partys während des Corona-Lockdowns. Immer mehr Konservative kritisieren ihn, laut Medienberichten steht Johnson vor einer parteiinternen Revolte.
Johnson schließt Rücktritt nach Partygate-Skandal aus
Johnson schloss sofortige Konsequenzen aus dem Partygate-Skandal aus. Er werde den Bericht einer internen Untersuchung abwarten, der nächste Woche erscheinen werde, sagte er im Parlament. Erneut wich der Premier konkreten Fragen nach dem Ablauf von Lockdownpartys im Regierungssitz aus. Oppositionsführer Keir Starmer müsse auf den Untersuchungsbericht warten.
Nachdem er sich zuletzt reumütig gezeigt hatte, gab sich der Premier, dem ein Misstrauensvotum in den eigenen Reihen droht, nun kämpferisch und griff seinen politischen Gegner scharf an. Wäre es nach Starmer gegangen, wäre das Land noch immer im Lockdown, behauptete Johnson. Dank seiner Politik aber sei Großbritannien wirtschaftlich gut durch die Pandemie gekommen.
Nach den jüngsten Enthüllungen hätten sich 20 konservative Abgeordnete getroffen, um vor einer Parlamentsbefragung des Premiers am Mittwoch über ein Misstrauensvotum gegen Johnson zu beraten, berichtete die Times. Kurz vor der Debatte war bekannt geworden, dass ein Tory-Abgeordneter zur Labour-Partei wechselt. Christian Wakeford, der Johnson sein Misstrauen ausgesprochen hatte, wurde von seinen neuen Kollegen mit lautem Jubel und Schulterklopfen begrüßt. Von der Regierungsbank gab es Buhrufe.



