Lieferengpässe, Inflation und die nächste Corona-Welle sorgen für einen depressiven Jahresbeginn in der deutschen Wirtschaft. Ökonomen fürchten sogar das Abrutschen in die Rezession, Institute korrigieren die Konjunkturprognosen nach unten. Denn sie haben ein ungutes Déjà-vu.146
Die nächste Corona-Welle, neuerliche Einschränkungen, Lieferengpässe, eingetrübte Konsumfreude, hohe Inflation – die Vorzeichen, mit denen die deutsche Wirtschaft ins neue Jahr startet, könnten kaum ungünstiger sein. Waren alle führenden Konjunkturforscher noch zu Beginn des Herbstes davon ausgegangen, dass dem Land 2022 ein starkes Boom-Jahr bevorsteht, fallen die Prognosen mittlerweile deutlich verhaltener aus. Viele Branchen sind noch immer weit von ihrem Vorkrisenniveau entfernt und teilweise sogar wieder im Rückwärtsgang unterwegs.
Die Lage erinnert fatal an den Jahreswechsel 2020/21, als die Hoffnung der Deutschen auf einen steilen Wiederaufstieg nach dem Konjunkturabsturz jäh zerplatzt war. Stattdessen kam der zermürbende Winter-Lockdown. Zwar folgte dann ein starker Sommer, doch zuletzt wurde die Erholung abermals ausgebremst. Die Stimmung bei Unternehmen und Konsumenten ist wieder düster. Und so verschiebt sich das ersehnte Ende der Corona-Krise immer weiter in die Zukunft.
„Es ist ein Déjà-vu-Erlebnis“, sagt der Präsident des Ifo-Instituts, Clemens Fuest, mit Blick auf die erneute Konjunkturdelle. Im vierten Quartal dürfte die Wirtschaft wohl geschrumpft sein, und auch im ersten Quartal des neuen Jahres könnte wegen der Kombination aus Corona-Welle und Lieferengpässen ein weiteres Mal ein negatives Wachstum drohen. „Dann hätten wir eine handfeste Rezession“, sagt der Top-Ökonom.
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