Weil sie mit Kohlestrom fahren

E-Autos sind schmutziger als Diesel!

06.01.2022
Lesedauer: 2 Minuten
Verbrenner stoßen Abgase aus, E-Autos nicht – trotzdem ist die Klimabilanz von Benzin- und Diesel-Fahrzeugen besser - Foto: Ole Spata/dpa

Verbrenner schaden dem Klima, E-Autos sind dagegen sauber? Denkste!

Hinter dieser Logik steckt eine große Fehlkalkulation, warnt Wirtschaftsforscher Prof. Dr. Dr. Ulrich Schmidt (54) vom renommierten Institut für Weltwirtschaft in Kiel. Denn: Mehr E-Autos bedeuten mehr Strombedarf – und der wird beim aktuellen Strommix in Deutschland nur durch „schmutzigen“, klimaschädlichen Strom gedeckt. Die CO2-Abgase entstehen also nicht erst beim Fahren, sondern schon früher.

Prof. Schmidt zu BILD: „Elektroautos fahren heutzutage de facto mit 100 Prozent Kohlestrom.“ Fürs Klima sind neue E-Autos damit schädlicher als Verbrennungsmotoren, egal ob Benzin oder Diesel.

Erst wenn mindestens 30 Prozent des zusätzlichen Strombedarfs für E-Autos aus erneuerbaren Energien gedeckt wird, können Tesla & Co. tatsächlich als sauberer gelten als Verbrenner, rechnet der Wissenschaftler in einer Studie vor. Importierter Atomstrom reiche dafür nicht aus.

Doch davon sei Deutschland noch meilenweit entfernt. Die Ausbauziele der Ampel-Regierung für erneuerbare Energien nennt Schmidt „sehr unrealistisch“.

Grund: Dafür bräuchte es neue Stromtrassen. Doch bei den komplexen Genehmigungsverfahren in Deutschland kommen die nicht so schnell. Sonne und Wind auszubauen, reicht nämlich nicht aus: Sie liefern den Strom nicht dort, wo er gerade gebraucht wird, und gespeichert werden kann er auch nicht.

„Windräder in Flensburg bringen nichts für den Tesla-Fahrer in München“, erklärt Schmidt.

Infografik: So wird der deutsche Strom produziert

Trotzdem will die Ampel-Regierung ab 2030 die Neuzulassung von Verbrenner-Autos verbieten. „Vollkommener Quatsch“, sagt Schmidt, „getrieben von reiner Ideologie.“

Vielmehr hätte die Ampel auf die Klimabilanz der einzelnen Antriebe schauen und dann entsprechend fördern sollen. „Verbrenner können viel sauberer sein als noch vor wenigen Jahren, etwa die Pkw mit 1-Liter- oder 2-Liter-Motoren“, sagt er. Ihre CO2-Bilanz falle derzeit deutlich besser aus als die der E-Autos.

Wenn überhaupt, müsse der Ausstieg aus dem Verbrenner um „mindestens zehn Jahre“ verschoben werden, sagt Schmidt.

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