Keine negativen Bewertungen für das Buch von Xi Jinping

Amazon knickt vor China-Zensur ein

21.12.2021
Lesedauer: 3 Minuten
Die Worte des Großen Vorsitzenden dürfen nicht kritisiert werden: Amazon zensiert auf Druck Pekings negative Rezensionen der Bücher von Xi Jinping Foto: Tyrone Siu/REUTERS

Kotau vor der Kommunistischen Partei Chinas: Amazon hat auf seiner chinesischen Website alle Bewertungen der Bücher von Diktator Xi Jinping (68) entfernt. Grund: Es gab auch Rezensenten, die dem China-Präsidenten nicht durchweg fünf Sterne gegeben hatten …

Wie Reuters berichtet, hat Amazon in China seit zwei Jahren eine Sammlung der Reden und Schriften Xi Jinpings angeboten. Diese wurden vom Informationsbüro des Staatsrates herausgegeben, einer Propaganda-Abteilung der Kommunistischen Partei.

Peking habe von dem amerikanischen Onlineversandhändler verlangt, keine Rezensionen und Bewertungen der Schriften zuzulassen. Auslöser dafür: eine einzige negative Bewertung des Buches.

Laut einer mit dem Vorgang vertraute Person, die Reuters zitiert, war aber nicht nur diese Kritik der China-Führung ein Dorn im Auge. „Das Problem war alles unter fünf Sternen“, sagt die Quelle.

Offenbar hat sich Amazon dem Druck aus Peking gebeugt: Auf der chinesischen Amazon-Website habe das Buch aktuell gar keine Kundenrezensionen oder Bewertungen mehr: der Kommentarbereich wurde komplett deaktiviert.

Auch in Deutschland versuchte die chinesische Propagandamaschinerie, jede Kritik an Xi Jinping zu unterbinden: So wurden Ende Oktober geplante Lesungen des Buches „Xi Jinping – der mächtigste Mann der Welt“ der beiden Autoren Stefan Aust und Adrian Geiges abgesagt. Die Lesungen hätten an den Konfuzius-Instituten deutscher Universitäten stattfinden sollen.

Die Verbote der Lesungen und das Einknicken Amazons zeigen den Einfluss der Pekings, sagt Außenexperte Frank Müller-Rosentritt (39, FDP): „Man sieht wie brutal der Druck der kommunistischen Partei Chinas ist und dass er keinesfalls an der Landesgrenze aufhört.“

Der naive Blick auf die KPCh müsse endlich der Vergangenheit angehören, so Müller-Rosentritt. „In einer offenen Gesellschaft sollten wir derartige Zensur nicht nur ablehnen, sondern ihr aktiv entgegentreten, denn die Freiheit stirbt stets scheibchenweise.“

In einem internen Amazon-Dokument von 2018 über das China-Geschäft des Unternehmens seien eine Reihe von „Kernproblemen“ im Land festgehalten, darunter: „Ideologische Kontrolle und Propaganda sind die wichtigsten Werkzeuge der kommunistischen Partei, ihren Erfolg zu festigen“, heißt es in dem Dokument. „Wir urteilen nicht darüber, ob das richtig oder falsch ist.“

Um sich den chinesischen Markt zu erschließen, habe Amazon sich mit der Propaganda-Abteilung Pekings zusammengeschlossen. Unter dem Namen „China Books“ werden chinesische Bücher auf Amazon für den US-Markt angeboten, im Gegenzug durfte Amazon in China Geschäfte machen. Laut des internen Amazon-Dokuments sei „China Books“ entscheidend gewesen, um die Zustimmung der chinesischen Behörden zu erhalten.

Neben unpolitische Titeln würden auf „China Books“ auch viele Propagandawerke auf der ideologischen Linie der Kommunistischen Partei angeboten.

So werde im Buch „Unglaubliches Xinjiang: Geschichten über Leidenschaft und Erbe“ das Leben in der Provinz Xinjian verherrlicht und betont, dass ethnische Zugehörigkeit dort „kein Problem“ sei. Tatsächlich verübt China in Xinjiang laut „Human Rights Watch“ Verbrechen gegen die Menschlichkeit: Knapp eine Million Uiguren sind dort unter schlimmsten Umständen in Lagern, Folter, Vergewaltigungen und Mord seien alltäglich.

In anderen Büchern werde Chinas Kampf gegen Corona heroisiert, darunter das Buch „Geschichten von Mut und Entschlossenheit: Wuhan im Coronavirus-Lockdown“. Tatsächlich hatte die chinesische Regierung Informationen über den Corona-Ausbruch in Wuhan zunächst brutal unterdrückt und Whistleblower wie den Arzt Li Wenliang bedroht. Die Bloggerin Zhang Zhan (38), die den Lockdown in Wuhan dokumentierte, wurde zu vier Jahren Haft verurteilt.

Amazons Zugeständnisse an die chinesische Diktatur ständen in auffälligem Kontrast zum Verhalten des Konzerns in zwei Demokratien: So habe Amazon in Indien lokale Vorschriften ignoriert und die Suchergebnisse auf der Website zugunsten der eigenen Amazon-Produkte manipuliert. In den USA habe Amazon Verbraucherschutzgesetze ausgehöhlt oder auf deren Abschaffung hingewirkt.

Nicht alle Konzerne würden sich jedoch Pekings Druck beugen, so Reuters: Yahoo habe den chinesischen Markt verlassen, Microsoft habe angekündigt, einige Bereiche seines Netzwerks LinkedIn in China einzustellen. Beide Unternehmen begründeten dies mit dem „schwierigen Geschäftsumfeld“ und den „regulatorischen Anforderungen“ in China.

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