Coronavirus-Inzidenzen

Tschentscher bedauert „Verunsicherungen“ durch falsche Impfstatistik

20.12.2021
Lesedauer: 2 Minuten
Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) bei einer Sitzung der Hamburgischen Bürgerschaft - Quelle: dpa/Daniel Bockwoldt

Corona-Infektionen mit ungeklärtem Impfstatus wurden in Hamburg über Wochen den Ungeimpften zugerechnet. Jetzt kündigt Hamburgs Bürgermeister Aufklärung an und spricht vom „Einsatz verschiedener IT-Systeme“.

Mit Detailkenntnissen über die Entwicklungen in der Pandemie und seinem Blick als studierter Labormediziner machte Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) in den vergangenen fast zwei Jahren auch bundesweit auf sich aufmerksam, sogar als Bundesgesundheitsminister war er gehandelt worden – doch nun muss er sich gegen Kritik und Empörung behaupten.

Auslöser dafür waren WELT-Recherchen und die Antworten des Senats auf eine parlamentarische Anfrage der FDP-Abgeordneten Anna von Treuenfels-Frowein dazu, wie die gesondert ausgewiesene Inzidenzzahl der Ungeimpften ermittelt wurde. Dabei wurde deutlich, dass die Angaben des Bürgermeisters und auch des Senatssprechers Marcel Schweitzer in einer Landespressekonferenz darauf fußten, dass jene Infizierten, deren Impfstatus unklar war, den Ungeimpften zugerechnet wurden.

Im Laufe der Wochen wuchs diese Zahl der ungeklärten Fälle immer weiter an, ohne dass der Senat das kenntlich gemacht hatte. Deswegen wird die Landesregierung nun dafür kritisiert, auf Grundlage dieses zweifelhaften Datenmaterials ihre Coronapolitik beschlossen zu haben. Insbesondere auf Twitter wurde am Wochenende deswegen auch der Rücktritt Tschentschers gefordert.

„Wir beurteilen die Lage nicht anhand einzelner Zahlenwerte“

Nachdem erste Angaben des Senats zu dem Vorgehen eher allgemein gehalten waren, ging Tschentscher am Montag in einem Interview mit der BILD-Zeitung nun genauer darauf ein. In einem Interview sagte er: „Wenn es Verunsicherungen gegeben hat, bedauere ich das sehr. Ich versichere den Hamburgerinnen und Hamburgern, dass unsere Empfehlungen sehr gut begründet sind.“ Der Vorgang selbst solle nun aufgeklärt werden. Tschentscher: „Eine Ursache scheint der Einsatz von verschiedenen IT-Systemen zu sein, die unterschiedliche Kategorien zum Impfstatus vorsehen. Hinzu kam, dass die stark steigende Zahl an Infektionen nicht mehr schnell genug eingestuft werden konnte.“ Deshalb sei die Veröffentlichung der Daten dann gestoppt worden.

Tschentscher hatte in der fraglichen Zeit angegeben, dass bis zu 95 Prozent der Neuinfektionen auf Ungeimpfte zurückzuführen seien. Jetzt sagte der Bürgermeister, er habe die Öffentlichkeit „auf keinen Fall“ belogen. Auch seien die Corona-Maßnahmen in Hamburg nicht auf diese Zahlen zurückgegangen: „Wir beurteilen die Lage nicht anhand einzelner Zahlenwerte“, so Tschentscher, der bereits im August in Hamburg das 2G-Optionsmodell eingeführt hatte.

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