Die EZB-Präsidentin räumt erstmals ein, dass die Geldentwertung länger dauern kann. Langsam kehrt Realismus in den Frankfurter Tower ein.
Die Töne aus dem Tower der Europäischen Zentralbank (EZB) ändern sich. Einen Monat ist es her, da zeigte sich EZB-Präsidentin Christine Lagarde zuversichtlich, dass die Geldentwertung nur ein vorübergehendes Phänomen ist.
Mittelfristig geht die Präsidentin aber weiter davon aus, dass man die anvisierten zwei Prozent erreicht. Was die mittlere Frist ist, sagt sie aber nicht.
Die Drei-Prozent-Marke wird in diesem Jahr in Deutschland locker gerissen. Nächstes Jahr sind es immer noch zweieinhalb Prozent Inflation. Die Volkswirte mussten in den letzten Monaten ihre Inflationsprognosen immer weiter nach oben revidieren.
Verbraucher zahlen die höheren Preise
In Deutschland ist es auch so. Das Statistische Bundesamt berichtet aktuell von steigenden Agrarpreisen. Die Holzpreise haben sich etwas normalisiert, allerdings auf hohem Niveau und der Chipmangel bei der Industrie dauert länger als erwartet. Auch das geht in die Preise.
Offensichtlich ist sogar die EZB-Chefin nicht mehr davon überzeugt, dass diese Erzählung angenommen wird. Anders sind ihre Äußerungen kaum zu verstehen. Denn Unternehmen und Verbraucher können schließlich nicht irgendetwas herausrechnen. Sie zahlen Marktpreise.
Auch stabilitätsorientierte Ökonomen sind zunehmend alarmiert. Sie befürchten nun Zweitrundeneffekte durch höhere Löhne, die sich am Ende in den Produktpreisen niederschlagen. Und Finanzinstitute klagen – wie jetzt Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing über die Folgen der negativen Zinsen, die sie ihren Kunden weitergeben müssen.
Keine Kehrtwende, aber Halbachtstellung
Trotz allen Unmuts – eine Kehrtwende bedeuten Lagardes Äußerungen nicht, sie ist aber in Habachtstellung. Die Inflationsdaten aus den USA und Deutschland können und dürfen sie nicht kaltlassen.




